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Der Beruf spielt im Leben meist eine zentrale Rolle, ist mehr als reiner Broterwerb. Umso größer ist die Herausforderung, wenn man nicht mehr wie gewohnt arbeiten kann.
Krankenstand und Fehlzeiten sind auf einem historischen Tiefstand angelangt. Aus Angst, ihren Job zu verlieren, bleiben immer weniger Arbeitnehmer dem Betrieb fern, auch wenn sie krank sind. Das mag bei einer leichten Grippe in Ordnung sein. Wenn es sich allerdings um ernsthafte Erkrankungen wie MS handelt, setzt der Betreffende seine Gesundheit aufs Spiel. Warnsignale des Körpers werden nicht wahrgenommen, erste Symptome ignoriert, und zwar so lange, bis ein Schub dazu zwingt, der Realität ins Auge zu blicken. Diese Erfahrung schildern alle, die sich zum Thema „Verlust des Arbeitsplatzes“ geäußert haben. Wie es nach diesem Schub dann weitergeht, das hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: von der Gesundheit, den Anforderungen des Jobs, der Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen.
Ansprechen oder verschweigen?
Eine generelle Pflicht zur Offenlegung von Erkrankungen gibt es nicht - vorausgesetzt, die Weiterarbeit gefährdet weder den Patienten selbst noch andere. Damit stellt sich die Frage, ob der Vorgesetzte überhaupt von der Diagnose MS erfahren soll. Eine pauschale Antwort gibt es hier nicht. Das Klima am Arbeitsplatz und der individuelle Krankheitsverlauf spielen eine wichtige Rolle. In einer verständnisvollen Arbeitsumgebung kann es MS-Patienten entscheidende Vorteile bringen, wenn sie offen über ihre Erkrankung sprechen. Die Arbeitsbelastung und der Arbeitsplatz lassen sich dann auf die individuellen Bedürfnisse zuschneiden, zusätzliche Pausen, ein neues Aufgabenfeld oder Teilzeit können vereinbart werden. Bei einem weniger guten Arbeitsklima kann Offenheit negative Folgen haben - dies reicht von der Ausgrenzung des Betroffenen bis hin zur Kündigung. Allerdings ist die Diagnose kein ausreichender Grund für eine Entlassung, denn die Krankheit führt nicht zwangsläufig zu einer generellen Arbeitsunfähigkeit. Liegt zudem eine Schwerbehinderung vor, kann eine Kündigung ohnehin nur mit Zustimmung des Integrationsamts erfolgen.
Abschied vom Job
In einigen Fällen ist es für die Betroffenen möglich, ihren Beruf weiter auszuüben oder umzugestalten, oft aber beginnt nach der Diagnose ein Rückzug aus dem Berufsleben. Denn das Leben mit Multipler Sklerose passt eben oft nicht zu Schichtarbeit, größtmöglicher Flexibilität oder Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit. Die ersten Auswertungen des MS-Registers zeigen, dass nach einer Krankheitsdauer von knapp 13 Jahren etwa 40 Prozent der MS-Patienten eine Rente wegen Erwerbsminderung beziehen. Mehr noch als körperliche Behinderung nennen Experten die ständige Müdigkeit (Fatigue) und Konzentrationsstörungen als die wesentlichen Gründe für die vorzeitige Berentung. Für viele beinhaltet diese vorzeitige Berentung empfindliche finanzielle Einbußen. Daher gewährt die Bundesagentur für Arbeit unter bestimmten Bedingungen Zuschüsse, die nicht zwingend an einen Schwerbehindertenausweis gekoppelt sind. Mehr Informationen dazu erhalten Sie bei Ihrem Integrationsamt, mit dem Sie unter www.integrationsaemter.de Kontakt aufnehmen können.
Alternativen möglich
Arbeit ist mehr als reine Existenzsicherung. Sie strukturiert den Alltag, vermittelt die Erfahrung, etwas wert zu sein, schafft soziale Beziehungen. Bei einer repräsentativen Befragung von Arbeitnehmern nach den wichtigsten Aspekten der Arbeit rangierte die Möglichkeit, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten in interessanten Aufgaben einsetzen zu können, sowie die Möglichkeit, Kontakte mit Gleichgesinnten zu unterhalten, weit vor den finanziellen Gesichtspunkten wie Lohn und Sozialleistungen. Das beschreibt zugleich ein Risiko und eine Chance bei Verlust des Arbeitsplatzes. Denn die genannten Möglichkeiten, also sowohl der Einsatz der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten als auch die sozialen Beziehungen, sind nicht einzig und allein auf herkömmliche Jobs beschränkt.
Eigene Wege wagen
23 Millionen Menschen über 14 Jahre sind in Deutschland in Vereinen, Verbänden, Initiativen und Kirchen ehrenamtlich tätig. Sie verbindet der Wunsch, etwas Sinnvolles zu bewegen. Das können soziale Anliegen ebenso sein wie Natur- und Umweltschutz, Kulturstiftungen oder Freiwillige Feuerwehr. Denn sie haben alle etwas gemeinsam: sie brauchen Ehrenamtliche, auf deren Erfahrung, Verantwortungsgefühl und Mitarbeit sie bauen können. Für ihr Engagement erhalten die Ehrenamtlichen in der Regel kein Geld. Im Gegenzug für ihr Engagement gibt es „nur“ immaterielle Werte: Gesellschaftliche Anerkennung, neue soziale Kontakte, positive Rückmeldungen, die wiederum das Selbstwertgefühl steigern, und immer wieder Erfolgserlebnisse, die sich einstellen, wenn man sich für eine Sache einsetzt, von der man überzeugt ist. Daher kann ein Ehrenamt das Ende der Berufslaufbahn abfedern oder sogar ganz neue Entwicklungen ermöglichen.
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