MS-COPE-Programm von Prof. Dr. Kugler
Der Psychologe Prof. Dr. Joachim Kugler (52) führt seit 2006 MS COPE-Programme für Neubetroffene durch. Mehr als 200 Menschen mit MS haben bereits daran teilgenommen. MS-COPE: In sechs Gruppensitzungen lernen die Teilnehmer, die Erkrankung besser zu verstehen, mit ihrer Ängstlichkeit und Depressivität umzugehen. Für weitere sechs Monate bleibt die Gruppe virtuell im Internet in Kontakt. Informationen für Interessenten gibt es auf der Internetseite www.ms-coping.deSie verlassen jetzt den Server von leben-mit-ms.de!
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Fortsetzen. Dort kann man die Orte und Zeiten erfahren und Anregungen für weitere Gruppentrainings geben.
Im Interview spricht Prof. Kugler über die besonderen Herausforderungen.
- Mit Ihrem Programm MS-COPE haben Sie vor fünf Jahren Neuland betreten. Warum haben Sie dieses Bewältigungstraining entwickelt?
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Epidemiologische Erhebungen belegen seit Langem, dass Menschen mit MS gerade in den ersten Monaten nach Diagnosestellung oft psychisch stark belastet sind, aber sich gleichzeitig mit ihren Ängsten und Problemen alleingelassen und unverstanden fühlen. Unser Programm bringt Menschen mit MS in ähnlicher Lage zusammen und trainiert Strategien der Krankheitsbewältigung. Es ist also eher mit einem Selbstmanagementtraining als mit konventioneller Psychotherapie vergleichbar.
- Worin unterscheidet sich der Prozess der Krankheitsbewältigung bei MS von anderen chronischen Erkrankungen?
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Die Bewältigung der Diagnose wird durch gesellschaftliche Vorurteile erschwert. MS wird oft mit baldiger Rollstuhlpflichtigkeit, sozialer Vereinsamung und kognitivem Abbau in Verbindung gebracht. Das behindert die Krankheitsbewältigung in doppelter Weise: Zum einen erschwert es eine problemorientierte Krankheitsverarbeitung beim Betroffenen, da scheinbar alles so sinnlos ist. Zum anderen erschwert es eine wirklich helfende Kommunikation des Betroffenen mit anderen Menschen, da diese erst lernen müssen, ihre Vorurteile zu revidieren.
- Welche Rolle spielt es für die Bewältigung, dass der Verlauf nicht vorhersehbar ist?
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Das ist ein wesentlicher Punkt. Die MS wird, weil ihr Verlauf so wenig abzuschätzen ist, wie ein Damoklesschwert erlebt. Wichtig ist es, zu erkennen, dass der Verlauf durch Sich-Sorgen-machen nicht besser wird, ganz im Gegenteil. Es liegen psychoneuroimmunologische Untersuchungen vor, dass Stress, Angst und Depression sich eher negativ auswirken.
- Welche Erkenntnis ist nötig, damit ein Betroffener die Chance erkennt, die eine Basistherapie bietet?
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Der MS-Betroffene steht nach der Diagnosestellung vor besonderen Herausforderungen: Er hat neurologische Symptome, die in der Ausprägung oft schwanken. Er muss mit der vorurteilsbehafteten Diagnose MS leben. Er soll eine anspruchsvolle Basistherapie regelmäßig durchführen, die den langfristigen Krankheitsverlauf positiv beeinflusst. Das ist eine anspruchsvolle Lernaufgabe. Eine langfristige Therapietreue kann jedoch nur entstehen, wenn diese Lernaufgabe gelingt. Der MS-Betroffene muss Experte seiner Erkrankung werden.
- Können Angehörige, Ärzte und MS-Betreuerinnen dabei unterstützen?
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Soziale Unterstützung ist für eine problemorientierte Krankheitsverarbeitung sehr wichtig. Für den MS-Betroffenen ist nach Diagnosestellung vieles neu und ungewohnt. Ärzte und besonders geschulte MS-Betreuerinnen können viel zum Verständnis der Krankheit, zu den therapeutischen Möglichkeiten, aber auch den sozialmedizinischen und sozialrechtlichen Implikationen beitragen. Angehörige werden als besonders wichtig erlebt. Jedoch sind viele erst mal überfordert und müssen die Situation ebenfalls erst bewältigen lernen.
- Woran erkennen Sie als Psychologe, dass ein Betroffener beginnt, die MS zu akzeptieren?
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Ein wichtiger Wendepunkt ist, wenn der MS-Betroffene über seine MS, seine Gefühle, aber auch seine Zukunftspläne mit anderen sprechen kann. Die Multiple Sklerose ist dann ein Handicap, aber es nimmt nicht die gesamte Persönlichkeit ein. Entscheidend ist, dass sich der MS-Betroffene wieder als Regisseur seines Lebens sieht.
Danke für das Gespräch!
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