Adhärenz beginnt im Kopf: Psychische Faktoren in der MS-Therapie

Berlin (sr) – Als Adhärenz bezeichnet man in der Medizin die Einhaltung der im Rahmen des Behandlungsprozesses gemeinsam von Patient und Arzt gesetzten Therapieziele. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO setzt sich die Adhärenz aus fünf Hauptdimensionen zusammen, zu denen patientenbezogene, sozioökonomische, krankheitsbedingte, therapiebezogene sowie gesundheitssystembedingte Faktoren zählen. Wie Privatdozentin Dr. Iris-Katharina Penner von der Abteilung Neuropädiatrie des Universitätskinderspitals Basel im Rahmen einer Veranstaltung der Firma Merck Serono erläuterte, ist die Adhärenz für die Patienten von großer Bedeutung, da sie maßgebend den Nutzen einer Therapiemaßnahme bestimmt und damit letztendlich entscheidend zum Therapieerfolg beiträgt. Patienten mit Multipler Sklerose (MS) seien zum Großteil über Jahrzehnte auf eine Therapie angewiesen. So sei es kaum vermeidbar, dass sich innerhalb dieser langen Behandlungsperiode Situationen einstellen, die sich negativ auf die Adhärenz auswirken. „Aus diesem Grunde ist es wichtig, vor allem die Faktoren zu erkennen, die wir beeinflussen können“, erklärt PD Dr. Penner. „Hierzu zählen vor allem die sogenannten ‚weichen Zeichen‘ der Multiplen Sklerose, nämlich die kognitiven Defizite, die Fatigue und die Depression“. Fatigue ist dabei eines der häufigsten Krank¬heitszeichen bei MS: 75 bis 95 Prozent sind hiervon betroffen. Die dauerhafte Müdig¬keit führt unter Umständen zu beruflichen und sozialen Problemen und gilt als einer der Hauptgründe für Invalidität und Frühberentung. Depressionen treten bei Multipler Skle¬rose zwei- bis viermal häufiger auf als bei anderen chronischen Krankheiten. Beides kann dazu führen, dass ein Patient psychisch nicht in der Lage ist, seine Therapie fortzuführen. Auch kognitive Defizite können die Behandlung beeinflussen: „Kognitive Störungen beeinträchtigen in hohem Maße die Lebensqualität von Patienten“, erläuterte die Psychologin und Kognitions- und Neurowissenschaftlerin. Zudem können sie zu Vergesslichkeit führen, was sich wiederum auf die Therapietreue auswirke.„Es ist daher ratsam, bei jedem MS-Patienten regelmäßig die psychischen Faktoren mit standardisierten und für die MS empfindlichen Testverfahren zu erfassen und je nach Ergebnislage eine symptomatische Behandlung einzuleiten, so das Fazit von PD Dr. Penner. „Von Vorteil ist auch ein enger Kontakt zu Pflegefachpersonen, die die Adhärenz durch ihre Präsenz unterstützen und psychosoziale Veränderungen frühzeitig erkennen können.“ Quelle: Merck Serono Pressekonferenz Meet-the-Expert am 1. Februar 2013 in Berlin