Aktiv im Leben auch mit Multipler Sklerose

Dresden (sr) – Dass Patienten mit Multipler Sklerose trotz Behinderung voll im Berufsleben stehen können, zeigt nicht zuletzt das Beispiel der rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerin Malu Dreyer. Allerdings ist sie hier eher die Ausnahme als die Regel, zeichnet doch das deutsche MS-Register ein völlig anderes Bild. Danach sind 40 % der MS-Patienten nicht erwerbstätig, und  nur knapp 30 % der Betroffenen arbeiten in Vollzeit. Im Durchschnitt erfolgte die Verrentung 13 Jahre nach Diagnosestellung. Auch im internationalen „Multiple Sclerosis International Federation Survey“ gab fast jeder Zweite an, seinen Arbeitsplatz schon in den ersten drei Jahren aufgegeben zu haben.Dass dies nicht so sein muss, erläuterte Professor Tjalf Ziemssen von der Universitätsklinik Dresden im Rahmen eines Presse-Roundtables zum Thema MS und Beruf. Insbesondere durch eine frühe Behandlung könne der Krankheitsverlauf günstig beeinflusst und eine fortschreitende Behinderungsprogression verlangsamt werden. Aber auch die Arbeitgeber könnten zu einer besseren Integration von Betroffenen beitragen. So seien flexible Arbeitszeitmodelle denkbar mit Ruhezeiten zum Beispiel beim Auftreten von Fatigue. Auch könne bei Vorliegen von Behinderungen der Arbeitsplatz dem Schweregrad der Behinderung angepasst werden. Insgesamt würden diese Möglichkeiten, MS-Patienten in den Unternehmen zu halten, noch zu wenig genutzt, so das Fazit von Professor Ziemssen. Dabei könne man angesichts des sich abzeichnenden Fachkräftemangels auf gut ausgebildete Mitarbeiter nicht verzichten.Quelle: INFO Neurologie & Psychiatrie 2012; Band 14, Nr. 6, Presse-Roundtable „MS und Beruf – Wunsch oder Wirklichkeit?“, Dresden, 13.03.2012