Alzheimer-Eiweiß verringert Symptome bei Multipler Sklerose

Stanford (sr) – Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, könnte möglicherweise zukünftig das Behandlungsinventar für die Multiple Sklerose (MS) erweitern. Forscher der Universität Stanford konnten zeigen, dass das Beta Amyloid oder Abeta (der Eiweißstoff, der die Alzheimer-Krankheit auslöst) für Menschen mit MS eine neue Therapieoption sein könnte. Bei der Alzheimer-Krankheit führt die Verklumpung mehrerer dieser Eiweißstoffe zur Degeneration von Nervenzellen. Auch bei der MS konnte Abeta im Gehirn nachgewiesen werden. Welche Rolle es dort spielt, ist allerdings unklar.Um mehr Erkenntnisse zu dieser Frage zu sammeln, führte eine Forschergruppe um Dr. Jacqueline Grant und Prof. Lawrence Steinman Versuche bei Mäusen mit einer experimentell herbeigeführten MS durch. Nachdem sie den Mäusen Abeta gespritzt hatten, kam es jedoch entgegen ihren Erwartungen nicht zu einer Verschlimmerung der Krankheit. Im Gegenteil: Den Tieren ging es sichtlich besser. Im Gegensatz zu unbehandelten Kontrolltieren verringerten sich ihre Lähmungserscheinungen. In weiteren Experimenten konnten Steinman und sein Team zeigen, dass diese Effekte offensichtlich nichts mit den Vorgängen zu tun haben, die bei der Alzheimer-Krankheit im Gehirn ablaufen. Im Blutkreislauf des Körpers wirkt Abeta offenbar immunmodulierend und dämpfend auf die bei der MS ablaufenden Immunreaktionen. Beta-Amyloid oder verwandte Substanzen könnten so durchaus einmal als Medikamente gegen die MS zur Verfügung stehen, hoffen die Forscher.Quelle: J. Grant, Sci Transl Med 1 August 2012, Ärztezeitung online vom 06.08.2012