Appetitstimulierende Nervenzellen unterdrücken Autoimmunprozesse

New Haven (sr) – Unterdrückt man die Funktion bestimmter appetitstimulierender Nervenzellen, kann man nicht nur das Hungergefühl unterdrücken, sondern auch entzündliche Autoimmunprozesse stimulieren, die zur Multiplen Sklerose und anderen Autoimmunkrankheiten führen könnten. Dies hat eine Studie eines Wissenschaftlerteams um Dr. Tamas Horvath, Professor für Biomedizin an der Universitätsklinik Yale in New Haven,  gezeigt. Nervenzellen, die im Zentral-Nervensystem (ZNS) das Hungergefühl regulieren, sind auch verantwortlich für die Kontrolle des Immunsystems, erklärt Dr. Horvath in einem Artikel, der kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht wurde. Somit wäre Essen ein Abwehrmechanismus gegen Infektionen und das Entstehen von Autoimmunerkrankungen, so die Forscher weiter.„Wir haben herausgefunden, dass bei einer Hemmung von appetitstimulierenden Nervenzellen, die zu verringertem Appetit und einem niedrigen Körpergewicht führen, bestimmte Zellen des Immunsystems (T-Zellen) mit höherer Wahrscheinlichkeit  entzündungsähnliche Prozesse fördern“, meint Dr. Horvath. Dies, so Horvath weiter, ermögliche Autoimmunreaktionen, die zu Multiple Sklerose und ähnlichen Störungen führen könnten. In ihren Untersuchungen hatten Horvath und seine Mitarbeiter mit Mäusen gearbeitet, bei denen ein bestimmtes für die Weiterleitung von Informationen verantwortliches Molekül mit der Bezeichnung Sirt 1, ausgeschaltet war. Sirt 1 reguliert die Aktivität der Hunger fördernden Nervenzellen (die sogenannte AgRP-Neurone). Durch das Ausschalten von Sirt 1 wurden die Mäuse anfälliger für die Auslösung einer experimentellen Multiplen Sklerose. “Diese Studie betont die wichtige regulierende Rolle von appetitkontrollierenden Nervenzellen für die Funktion des Immunsystems”, folgert Horvath aus seinen Forschungsergebnissen. „Wenn es uns gelingt, diesen Mechanismus durch ein geeignetes Essverhalten und die Art der verzehrten Nahrungsmittel zu kontrollieren, könnte dies ein neuer Weg bei der Behandlung der Autoimmunerkrankungen sein.“Quelle: Medical News Today vom 29. März 2013