Unwissenheit fördert Vorurteile. Kommt dann noch ein starkes Mitteilungsbedürfnis dazu, können die Aussagen der betreffenden Personen wirklich gemein und sehr verletzend sein. Du weißt, wovon wir sprechen? MS-Patientinnen und -Patienten begegnen leider immer noch vielen Vorurteilen. Der internationale Tag der Toleranz kommt uns da sehr gelegen, um mit den gängigsten Vorurteilen aufzuräumen und Dir Tipps zu geben, wie Du gelassen bleiben kannst.

Vorurteil Nr. 1: Multiple Sklerose ist ansteckend

Die Ursache für Multiple Sklerose ist bislang noch ungeklärt. Forscher vermuten, dass ein Zusammenspiel aus genetischen Komponenten und Umweltbedingungen die Erkrankung hervorrufen. Was jedoch bewiesen ist: MS ist nicht ansteckend.1

Vorurteil Nr. 2: Alle MS-Patienten landen im Rollstuhl

Klar, 30 Prozent der MS-Patienten leiden an Gefühlstörungen in den Beinen.2 18 Prozent kämpfen mit Unsicherheiten beim Gehen und stehen.2 Und 10 Prozent zeigen Gangstörungen aufgrund von Spastiken.2 Trotzdem wird nicht einmal die Hälfte aller Betroffenen irgendwann auf einen Rollstuhl angewiesen sein.3 Mittlerweile sind die Behandlungsmöglichkeiten so weit vorangeschritten, dass die MS oft gut in Schach gehalten werden kann.

Vorurteil Nr. 3: MS verläuft tödlich

Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung, die mit vielen Symptomen einhergehen und Betroffene stark einschränken kann. Trotz alldem versterben MS-Patienten nicht früher als gesunde Menschen. Auch dies liegt an den guten Behandlungsmöglichkeiten, die in den vergangenen Jahren entwickelt werden konnten.3

Vorurteil Nr. 4: Mit MS kann man keine Kinder bekommen

Viele Frauen denken, dass sie aufgrund ihrer MS-Erkrankung kein Kind bekommen können. Das ist nicht richtig. Denn die Erkrankung beeinflusst die Fruchtbarkeit sowohl bei Frauen als auch Männern nicht. Hinzu kommt, dass die Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit MS und gesunden Frauen ähnlich sind. Einschränkungen für die Geburt sollten sich durch die Multiple Sklerose nicht ergeben. Auch beim Stillen sind MS-erkrankte Mütter nicht eingeschränkt.4 Weitere Infos findest du auch hier. Solltest du eine Schwangerschaft planen, empfehlen wir Dir, diesbezüglich ausführlich mit Deinem Arzt zu sprechen.

Vorurteil Nr. 5: Mit MS darf man keinen Sport treiben

Seit Jahrzehnten wird behauptet, dass MS-Patienten keinen Sport machen dürfen.3 Dabei ist Bewegung gerade wichtig: Denn Sport beugt – wie auch bei gesunden Menschen – andere Krankheiten und Übergewicht vor. Außerdem kann Sport dabei helfen, MS-spezifische Symptome einzudämmen. Probiere also möglichst viele Sportarten aus (wie wäre es zum Beispiel mit Klettern?) und finde so heraus, was Dir gut tut.5 Sport als Wettkampf zu betreiben, solltest Du jedoch vermeiden, um Deinen Körper nicht zu stark zu belasten.3

Mit Gelassenheit und Charme gegen Vorurteile angehen

Nimm Vorurteile als das, was sie sind: Unbedachte Äußerungen, die meist aus Unwissenheit gemacht werden. Auch wenn sie sehr verletzend sein können, sind sie in der Regel nicht so gemeint. 

Es ist nicht immer möglich cool zu bleiben und entsprechend zu reagieren. Das musst Du auch gar nicht. Es ist nicht Deine Aufgabe, über MS zu informieren oder Dein Gegenüber zu sensibilisieren. Aber Du solltest offensichtliche Fehlinformationen richtig stellen, um Dich und andere MS-Patientinnen und -Patienten vor Diskriminierung zu schützen. 

Wenn also das nächste Mal jemand von sich gibt, dass MS ansteckend sei, versuche ruhig zu bleiben und lächle Dein Gegenüber freundlich an. Du kannst auch interessiert nachfragen, woher diese Information stammt oder ob MS da vielleicht mit Masern verwechselt werden. Um dann charmant, aber bestimmt zu sagen, dass – auch wenn MS leider noch nicht vollständig erforscht sei – die Forscher mit Sicherheit wissen, dass MS nicht ansteckend ist. 

Und wer weiß, vielleicht entwickelt sich daraus ja ein gutes Gespräch. Bleibe gelassen und tolerant. So kannst und wirst Du Dein Gegenüber mit Deinen Aussagen nachhaltig beeindrucken, dass er oder sie das nächste Mal nachdenken wird, bevor unbedachte Äußerungen fallen.

Allen, die sich weitere Strategien zur Gegenwehr wünschen, sei folgendes Buch ans Herz gelegt: Barbara Berckhan: Die etwas intelligentere Art sich gegen dumme Sprüche zu wehren, Heyne Taschenbuch.

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