Die gängigen Ernährungstrends scheinen sehr viel schneller zu wechseln, als eine konsequente Ernährungsumstellung Zeit in Anspruch nimmt. Und die Empfehlungen sind mitunter so widersprüchlich, dass man kaum glauben mag, dass uns dennoch alle schön, schlank und gesund machen wollen. Was ist bei MS sinnvoll und können Lebensmittel helfen, das Entzündungsgeschehen und etwaige Begleiterscheinungen zu mildern? Hier gibt’s die Antworten und Tipps für gesunde Schlemmereien an den Feiertagen.

Du bist, was Du isst – wenn’s doch nur so einfach wäre! Zweifelsohne kann die Ernährung einen großen Einfluss auf Wohlbefinden und Gesundheit ausüben. Eine erwiesenermaßen wirksame Diät gegen MS gibt es jedoch nicht.1 Doch selbstverständlich spielt die Ernährung eine Rolle: Eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorngetreide, gesunden Fetten und Eiweiß kann beispielsweise die Entzündungen und den dadurch entstehenden sogenannten oxidativen Stress durch freie Radikale positiv beeinflussen.1

Wer auf eine bedarfsgerechte Kalorienzufuhr achtet, entlastet zudem sein Immunsystem. Begleiterscheinungen wie Übergewicht, Blasen- oder Darmprobleme oder schnelle Ermüdung lassen sich durch die Ernährung ebenfalls verringern.1 Leichte Kost beugt Müdigkeit vor und die vielen Ballaststoffe bei der Vollwertkost regen die Verdauung an. Dabei darf die Flüssigkeitszufuhr nicht vergessen werden: MS-Kranke sollten — insbesondere bei Anfälligkeit zu Harnwegsinfekten – anderthalb bis zwei Liter täglich trinken.2 Und zwar möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt, damit sich die Blase langsam füllt – häufig schon der wichtigste Hebel, wenn die Blase Schwierigkeiten macht.1

Seefisch, Gemüse und Pflanzenöle statt Butter, Fleisch und Wurst

Eine überdurch- bzw. unterdurchschnittlichen Häufung von MS-Fällen in bestimmten Regionen spricht zudem für eine gesunde Ernährung mit viel Seefisch, Gemüse und Pflanzenölen: So treten in den so genannten „Butter-Regionen“, in denen viel Fleisch, Käse, Sahne, Butter oder Wurst aufgetischt werden, generell mehr MS-Erkrankungen auf als in den „Öl-Regionen“, in denen hauptsächlich Seefisch, Gemüse, Pflanzenöl, Nudeln und Reis gegessen werden.1 In Kroatien beispielsweise ist die Anzahl der neuen MS-Fälle im Landesinneren nahezu doppelt so hoch wie in den Küstenregionen.3 Erklärt werden kann dies unter anderem mit der in tierischen Lebensmitteln gehäuft vorkommenden Arachidonsäure. Diese hat eine Schlüsselfunktion im Entzündungsgeschehen, weil sie Ausgangssubstanz für entzündungsfördernde Botenstoffe ist. Im Körper wird sie aus Linolsäure gebildet oder mit der Nahrung aufgenommen.1 Eine detaillierte Liste, welche Obst- und Gemüsesorten das Entzündungsgeschehen im Körper günstig beeinflussen können, findest Du hier.

Ketogene Ernährung

Bereits im 19. Jahrhundert wurde festgestellt, dass die Anfallshäufigkeit bei Epileptikern während einer Nahrungskarenz stark abnimmt. Sobald das Fasten beendet wird, kommen jedoch auch die Symptome wieder zurück. Deshalb wurde nach einer dauerhaften Ernährungsform gesucht, die den Fastenzustand imitiert – ohne Pausieren der Darmtätigkeit bzw. Einschränkung der Kalorienzufuhr. Bei der ketogenen Ernährung werden dem Körper kaum Kohlenhydrate aber ein hoher Fettanteil zugeführt. Wie im Hungerzustand werden dem Gehirn die aus Fettsäuren gewonnenen Ketonkörper als Energiequelle angeboten. Und ähnlich wie beim Fasten ernähren sich die Zellen überwiegend von Fetten. Die grundlegenden Veränderungen des Gehirnstoffwechsels unter ketogener Kost führen zu vermehrter Energieproduktion und verringerter Radikalbildung. MS-Kranke können möglicherweise vom dabei entstehenden verbesserten Nervenzellschutz profitieren.3 Eine Studie an der Berliner Charité konnte zeigen, dass diese Ernährungsform zu einer klinisch relevanten Verbesserung der Lebensqualität bei MS führen kann. Eine größere Studie, die diese Ergebnisse weiter absichern soll, befindet sich im Aufbau.4 Grundsätzlich gilt: Die ketogene Ernährungsform ist sehr spezifisch und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewandt werden. Rat auf Krankenschein gibt es zu allen Ernährungsfragen beispielsweise in der Ernährungssprechstunde der Hochschulambulanz an der Berliner Charité. Selbstverständlich kannst Du Dich auch an Deinen behandelnden Arzt wenden – er kann Dich an eine spezialisierte Ernährungsberatung überweisen.

Weniger ist manchmal mehr

Acht Tipps für die Ernährung bei MS bietet das Portal der Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. (AMSEL). Hierbei soll auch der Genuss nicht zu kurz kommen. Gleich der erste Tipp lautet: „Essen Sie abwechslungsreich und nehmen Sie sich Zeit dafür. Achten Sie auf Ihre Vorlieben und gönnen Sie sich Ausnahmen, wenn Sie Ihnen ausnahmslos gut tun – ohne schlechtes Gewissen.“ Und unter Tipp fünf: „Innereien, Speck, Schweinenacken, Lammkotelett und Weihnachtsgans sollten aufgrund des hohen Fettgehalts am besten gar nicht oder nur ab und zu in kleinen Portionen gegessen werden. Lieber kleine Änderungen auf Dauer einhalten, als krasse Änderungen nur kurze Zeit erreichen.“5

Eine radikale Ernährungsumstellung solltest Du bitte nur in Absprache mit Deinem Arzt angehen. Wenn Du Dir unsicher bist, sprich mit Ihm oder Ihr über Deine Pläne.

Und was bedeutet das für Dein Weihnachtsmenü?

Wenn die üppige Weihnachtsgans für Dich einfach dazu gehört, solltest Du sie Dir auch gönnen.5 Serviere Dir doch beispielsweise noch einen Salat vorneweg und eine Gemüsebeilage zusätzlich, dann nimmst Du mehr Vitamine zu Dir und isst automatisch nicht zu viel Fleisch. Vielleicht hast Du aber sowieso Lust einmal etwas Neues auszuprobieren? Dann ist doch ein festliches Essen an Weihnachten der perfekte Rahmen für ein leichtes, leckeres und gesundes Menü. Und mit Menü meinen wir auch Menü: Also eine mehrgängige gesunde Schlemmerei, anstatt sich den Teller „nur“ mit Klößen, Kraut und Braten zu füllen. Nix wie ran an die Kochbücher: Es gibt doch bestimmt Rezepte, die Du schon längst mal ausprobieren wolltest, aber noch nie dazu gekommen bist? Wie wäre es beispielsweise mit einem feinen Cremesüppchen aus Wintergemüse, verschiedenen Salaten und mehreren Gemüseleckereien an gegrilltem Lachsfilet – Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Inspirationen findest Du hier oder hier. Und niemand sagt, dass alles nacheinander gegessen werden muss. Die Schlemmerei kann selbstverständlich auch nebeneinander und gleichzeitig starten. Also gerne gleich mit allen Speisen auf den Tisch und jeder bedient sich nach Lust und Laune. Wenn sich das jetzt nach viel Arbeit für Dich anhört – ein kleiner Tipp: Du kannst Dein Menü natürlich so zusammenstellen, dass ein Großteil der Speisen schon am Vortag zubereitet werden kann. Denn was gibt es schöneres als entspannt in den Heiligen Abend zu starten und nachmittags noch eine gemütliche Teepause einzulegen, als gestresst in der Küche zu stehen?