Liebe, Lust und Leidenschaft – damit die schönste Nebensache der Welt nicht zu einer ungewollten Schwangerschaft führt, stehen viele Paare vor der Frage nach der optimalen Verhütungsmethode. Um es vorweg zu nehmen: Die „perfekte“ Verhütungsmethode gibt es leider nicht. Diese wäre absolut sicher, leicht wieder abzusetzen, hätte keinerlei Nebenwirkungen oder Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und würde auch beim intimen Beisammensein nicht stören. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten der Verhütung – aber nicht alle Methoden passen auch zu Dir und Deinem Leben. Deshalb ist die Entscheidung immer ein individuelles Abwägen der persönlichen Bedürfnisse und Anforderungen1 – und sollte im Laufe des Erwachsenenlebens zudem an eine veränderte Lebenssituation angepasst werden. 

Auch und insbesondere für Paare, bei denen ein Partner an MS erkrankt ist, stellt sich die Frage nach der Verhütung, wenn (noch) kein Kinderwunsch besteht: Denn die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen bleibt mit Multiple Sklerose uneingeschränkt erhalten.2 Die Verhütungsfrage ist für Paare mit MS insofern wichtig, weil bei manchen Medikamenten eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden sollte. Was aber nicht bedeutet, dass diesen Paaren das Familienglück grundsätzlich verwehrt bleibt. Im Gegenteil: Paare mit MS sollten eine Schwangerschaft möglichst planen. Denn beispielsweise kann es erforderlich sein, bestimmte Medikamente abzusetzen, um das ungeborene Kind keinem unnötigen Risiko auszusetzen. Im persönlichen Gespräch mit dem behandelnden Neurologen oder Gynäkologen lässt sich schnell klären, was beachtet werden sollte. Ob die Medikation beispielsweise ausgesetzt oder umgestellt werden muss.3 Auch Stillen ist mit MS natürlich möglich. Und: Stillen kann möglicherweise das Schubrisiko reduzieren. Studienergebnisse zeigen, dass Mütter, die ihre Kinder zwei Monate ausschließlich nach der Geburt stillten, seltener einen Schub erlitten, als Mütter, die ihre Kinder nicht stillten oder neben dem Stillen mit Beikost fütterten.4 Mehr zu Schwangerschaft und Stillen bei MS findest Du hier und hier.

Verhütungsmethoden

Bei Verhütung denken vermutlich die meisten Paare in erster Linie an die Anti-Baby-Pille. Grundsätzlich können Frauen mit MS diese Verhütungsmethode anwenden. Manchmal kann es jedoch aufgrund bestimmter Medikamente zu Einschränkungen beim Empfängnisschutz kommen. Deshalb sollte auch diesbezüglich der Neurologe oder Gynäkologe um Rat gefragt werden.3

Die möglichen Nebenwirkungen und Risiken der Anti-Baby-Pille sind bei Frauen mit und ohne MS identisch: Sogenannte Mikropillen enthalten eine Kombination aus einem Östrogen – Ethinylestradiol – und einem Gestagen.5Sie können vor allem in den ersten drei Monaten Zwischenblutungen, Übelkeit, Brustspannen, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen hervorrufen. Bei einigen Frauen können die Östrogene der Pille dazu führen, dass Wasser ins Körpergewebe eingelagert wird. Dadurch kann auch eine leichte Gewichtszunahme erfolgen oder die Beine können bei langem Stehen anschwellen. Zu den schwerwiegendsten Komplikationen von Mikropillen zählen Thrombosen.6

Minipillen enthalten im Gegensatz zu Mikropillen als Bestandteil nur ein Gestagen in einer niedrigen Dosierung.5 Sie führen allerdings bei jedem zweiten bis dritten Zyklus zu Menstruationsstörungen, wie Schmierblutungen oder Durchbruchblutungen. Außerdem können durch Minipillen die Zyklen sehr kurz oder auch stark verlängert sein. Manchmal bleibt die Menstruation komplett aus, was bei vielen Frauen für Verunsicherung sorgt. Sollte es trotz Einnahme zu einer Schwangerschaft kommen, ist das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft unter Minipillen erhöht.6

Ob mit oder ohne MS: Frauen mit hohem Blutdruck sowie Raucherinnen ab 45 Jahren sollten auf die Pille verzichten und sich für eine andere Verhütungsmethode entscheiden.7 Diese Risiken gelten ebenso für die zahlreichen Varianten der hormonellen Verhütung wie beispielsweise das Hormonimplantat, das Hormonpflaster, den Vaginalring oder die Dreimonatsspritze. Präparate, die das Hormon Gestagen (Progesteron) beinhalten, wie das Verhütungsstäbchen oder die Dreimonatsspritze erhöhen zudem das Osteoporose-Risiko. Bevor Du Dich für ein Gestagen-Präparat entscheidest, solltest Du beachten, dass manche Menschen mit MS aufgrund vielseitiger Ursachen ein erhöhtes Risiko haben, eine Osteoporose zu entwickeln.8, 9

Informiere Dich diesbezüglich daher umfassend in einem Gespräch mit Deinem Arzt. Weiterführende Informationen zu MS und Osteoporose findest Du auch hier.

Der hormonelle Einfluss auf den Krankheitsverlauf ist bislang noch nicht ausreichend erforscht: Jüngere Studien deuten darauf hin, dass sich die Einnahme der Pille möglicherweise positiv auf die schubförmige MS auswirkt10, während bei progredienter MS die Behinderungsprogression schneller voran schreitet.11 Grundsätzlich ist auch die sogenannte Spirale eine sichere und effektive Methode zur Empfängnisverhütung. Diese wird in die Gebärmutter eingesetzt und gibt dort entweder kleine Mengen Kupfer oder Hormone ab, um die Spermien an der Befruchtung zu hindern. Eine Alternative stellen Barriere-Methoden wie Diaphragma, Verhütungs- oder Portiokappe und Kondome dar. Es gilt abzuwägen, ob diese Methoden bei Symptomen in den Armen bzw. Händen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Zittern verwendet werden sollten.12

Als natürliche Form der Verhütung empfiehlt sich die Zeitwahlmethode nicht. Zum einen ist sie an sich nicht besonders sicher. Zum anderen können sich bei MS-erkrankten Frauen Verschiebungen des Eisprungs einstellen – durch Medikamente, die den Hormonspiegel beeinflussen wie Kortison, aber auch durch einzelne Immunsuppressiva und Zytostatika.13

Bitte wende Dich bei allen Fragen rund um die Verhütung an Deinen Arzt. Sowohl Dein Neurologe als auch Dein Gynäkologe kann Dir weiterhelfen. Lass Dir alles genau erklären, bevor Du Dich für eine Methode entscheidest und trau Dich nachzufragen, wenn Dir etwas unklar ist.

Reine Frauensache?

Es gibt unzählige Verhütungsmethoden, die meist sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringen. Diese gilt es mit den persönlichen Bedürfnissen und Anforderungen an die Verhütung abzuwägen. Paare in einer festen Beziehung haben sicherlich andere Anforderungen als beispielsweise Singles oder Menschen, die in einer offenen Beziehung leben. In einer jungen Liebe oder bei häufiger wechselnden Sexualpartnern sollte stets auch an den Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten gedacht werden. Hier sind Kondome die erste Wahl, da sie als einziges Verhütungsmittel auch vor HIV schützen und zudem das Risiko minimieren, sich mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie beispielsweise Tripper zu infizieren. Zudem sind Kondome das einzige Verhütungsmittel, mit dem sich Männer selbst gezielt vor einer ungewollten Vaterschaft schützen können.14

Wie verhüten?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt auf ihrer Website familienplanung.de die einzelnen Verhütungsmethoden ausführlich vor. Anhand eines Fragenkatalogs erfahren Interessierte zudem Hilfestellung, um die für sie passende Verhütungsmethode herauszufinden.

Auch pro familia informiert auf http://www.profamilia.de/ ausführlich über die verschiedenen Verhütungsmethoden. Zudem bietet pro familia eine individuelle Beratung an: online oder in einer der bundesweit 180 Beratungsstellen.15

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