Das Wichtigste vorab: Bis heute gibt es keine spezielle Ernährungsform, die das Fortschreiten der MS nachweislich verzögern kann.1 Eine bestimmte Ernährungsmethode ersetzt somit nicht die Therapie. Eine vollwertige, ausgewogene und gesunde Ernährung kann aber Deine allgemeine Gesundheit fördern und damit auch zu Deinem körperlichen Wohlbefinden beitragen.1 Außerdem kann sie Sekundärerkrankungen vorbeuge1 und Entzündungen beeinflussen.2 Gleiches gilt für den oxidativen Stress, der bei Entzündungen entsteht und zur Bildung von schädlichen freien Radikalen führt.2

Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost besteht aus viel Gemüse und Obst, dafür weniger Fleisch und Fett.1 Sie wird durch die Ernährungspyramide erklärt. Unser Tipp: Drucke sie Dir aus und klebe sie Dir an Deine Kühlschranktür. So kannst Du sie Dir jeden Tag ein bisschen besser einprägen und beim Einkauf im Hinterkopf behalten. Im Infokasten unter dem Text findest Du zudem ein paar hilfreiche Ernährungstipps für den Alltag. Jetzt erfährst Du aber zunächst, ob Du bestimmte Ernährungskonzepte bei MS einmal ausprobieren kannst.

Mit Omega-3 Fettsäuren gegen MS?

Für entzündliche Erkrankungen wie Rheuma ist erwiesen, dass Entzündungsprozesse im Körper mithilfe der Ernährung vorgebeugt oder abgeschwächt werden können.1 Patienten können den Verlauf ihrer Erkrankung beeinflussen, indem sie darauf achten, entzündungsfördernde, gesättigte Fette (Omega-6 Fettsäuren) nur in Maßen zu sich zu nehmen.1 Sie kommen beispielsweise in hohen Mengen in rotem Fleisch vor.3 Stattdessen sollten Betroffene lieber regelmäßig ungesättigte Fette (Omega-3 Fettsäuren) aufnehmen.1 Sie sind u.a. in Fisch zu finden.3 In Analogie zu diesen Erkenntnissen, konzentrieren sich die Ernährungsempfehlungen für MS darauf, Lebensmittel, die die Produktion von entzündungsfördernden Stoffen fördern können, zu meiden und sie durch Nahrungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren zu ersetzen.4 Wissenschaftlich bestätigt ist dies allerdings noch nicht.

Vegetarisch oder Vegan

Ebenfalls gibt es keinen Nachweis dafür, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung einen positiven Einfluss auf MS haben kann.1 Bei einer vegetarischen Ernährung kommen Fleisch und Fisch nicht auf den Tisch. Bei einer veganen Ernährung sind noch viel mehr Nahrungsmittel tabu. Hierbei verzichtet man ganz auf tierische Produkte. Während eine vegetarische Ernährung für Dich relativ einfach umzusetzen und abwechslungsreich ist5, benötigst Du bei einer veganen Ernährung sehr gute Kenntnisse über Nährstoffe, deren Bedarf und eine gute Zusammenstellung der pflanzlichen Lebensmittel.5 Außerdem solltest Du beachten, dass Dir ohne tierische Lebensmittel wichtige Lieferanten für einige Vitamine und Mineralstoffe im Speiseplan und damit für eine ausgewogene und gesunde Ernährung fehlen. In der Regel ist bei einer veganen Ernährung eine Nahrungsergänzung erforderlich.5 Diese kann zu Wechselwirkungen mit Deiner MS-Therapie führen.6 Spreche daher unbedingt mit Deinem Arzt, solltest Du Dich künftig vegan ernähren wollen.

Paleo – Die Steinzeit ruft

Paleo wird auch als Steinzeiternährung bezeichnet. Bei diesem Konzept steht nur das auf dem Speiseplan, was auch die Steinzeitmenschen zur Verfügung hatten – und das waren Gemüse, Obst, Eier sowie Fisch und Fleisch. Industriell hergestellte oder verarbeitete Lebensmittel und Getreideprodukte sind bei Paleo verboten. Milch und Milchprodukte, Kaffee sowie Hülsenfrüchte sollten nur selten auf dem Speiseplan landen.7 Die Paleoernährung kann in verschiedenen Formen erfolgen. Einige sehen einen hohen Fleischkonsum vor und sind deshalb gerade bei MS nicht zu empfehlen.8 Der Grund: Durch die Aufnahme von viel Fleisch kommen dem Körper erhebliche Mengen an Arachidonsäure zu. Diese produziert sogenannte Vermittlungshemmer, die Entzündungen im Körper verstärken können. Prinzipiell solltest Du wissen, dass die Paleoernährung eine einseitige Ernährungsform ist.8

Kousmine-Diät: Öl statt tierische Fette

Die Kousmine-Diät stammt von der Schweizer Ärztin Dr. Catherine Kousmine (1904-1992)9 und basiert unter anderem darauf, tierische Fette durch kaltgepresste Pflanzenöle zu ersetzen.10 Das Ernährungskonzept beinhaltet außerdem die Nahrungsergänzung durch hoch dosierte Vitamine und Spurenelemente.9 Dr. Catherine Kousmine testete ihr Konzept an Menschen mit Multipler Sklerose. Die erreichten Erfolge konnten allerdings bis heute nicht wissenschaftlich bestätigt werden.9

Verzicht als Ernährungskonzept

Beim Fasten verzichtet man bewusst und freiwillig für eine begrenzte Zeit auf feste Nahrung und Genussmittel.11 Das therapeutische Fasten ist eine vieldiskutierte Therapieform in Bezug auf MS. Studienresultate zeigen, dass MS-Betroffene ihre Lebensqualität und unter Umständen auch gewisse MS Symptome durch Fasten selbst positiv beeinflussen können.12

Ein Konzept, dass dem Fasten nachempfunden wurde, ist die ketogene Ernährung. Hierbei wird auf Kohlenhydrate möglichst ganz verzichtet.13 Stattdessen gibt es viele gute Fette (Omega-3), wie sie beispielsweise in Avocados, Macadamianüssen oder auch in Butter vorkommen.14

Die ketogene Ernährungsform lässt sich leicht in den Alltag integrieren. Erste Studien zeigen, dass MS-Patienten von ihr profitieren könnten:13 Durch die Zufuhr von mehr Fett, wird im Körper eine Veränderung des Gehirnstoffwechsels angeregt. Dies führt nicht nur dazu, dass mehr Energie produziert, sondern auch die Bildung von freien Radikalen verringert wird. Nervenzellen können dadurch besser geschützt werden.13 Endgültig bestätigt ist diese Wirkung allerdings noch nicht. Mehr Informationen zur ketogenen Ernährung findest Du hier.

Ernährung umstellen – nicht ohne Absprache

Solltest Du Deine Ernährung umstellen wollen, ist es wichtig, dass Du zunächst mit Deinem Arzt darüber sprichst. Er kann mit Dir klären, ob Du gegebenenfalls eine Lebensmittelunverträglichkeit hast, die Dich einschränken könnte. Außerdem kann er Dir sagen, ob eine Ernährungsumstellung zu Wechselwirkungen mit Deiner MS-Therapie führen kann. Wenn Du wissen möchtest, ob sich Deine Ernährungsumstellung auf Deine MS auswirkt, kannst Du Dein Essverhalten in einem Ernährungstagebuch dokumentieren. Schreibe auf, welche Lebensmittel Du zu Dir nimmst und wie Du Dich fühlst.

Was Du bei allem nicht vergessen solltest: Habe Spaß am Essen und lasse es Dir immer gut schmecken!

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