Als Kind liebte Iris es, stundenlang auf dem heimischen Sofa die Naturzeitschriften ihrer Mutter durchzublättern. Schnell merkte sie, dass sie all das, was sie auf den Bildern sah, einmal selbst mit der Kamera festhalten wollte. So wuchs in ihr der Wunsch heran, Fotografin zu werden. Ein Wunsch, den sich Iris leider später nicht erfüllen konnte, denn sie erkrankte an MS. Ein herber Schlag, doch sie fand einen Weg damit umzugehen. 

Erste Beschwerden

Mit 15 Jahren bemerkte Iris erste Symptome ihrer MS. Damals lebte sie als Austauschschülerin für ein Jahr in Guatemala als sie eines Morgens mit Sehbeschwerden aufwachte. „Ich konnte auf einem Auge nicht mehr richtig sehen. Es war, als sähe ich durch eine dicke Milchglasscheibe.“

Iris fragte einen Arzt um Rat. Er sagte, sie habe eine Migräne. „Ich wusste irgendwie, dass es etwas Anderes war. Also ging ich zu einem Augenarzt.“ Seine Diagnose lautete: Entzündung der Netzhaut. Einige Monate später waren Iris Sehbeschwerden fast verschwunden und sie konnte ihre restliche Zeit in Guatemala genießen. Doch als sie zurück nach Deutschland kam, traten ihre Probleme mit den Augen wieder auf. Dieses Mal wurde sie direkt zum Neurologen und ins Krankenhaus geschickt. Nach vielen Tests erhielt sie schließlich die Diagnose: schubförmige MS.  

Zurück ins Leben

Nach der Diagnose verfiel Iris in einen Schockzustand. Sie fürchtete sich so sehr vor der Erkrankung, dass sie Teile von sich selbst aufgab. „Die Rebellin in mir verstummte. Ich änderte mein Leben und ging z. B. nicht mehr mit Freunden feiern.“ Doch einige Monate später fand sie zu sich selbst zurück. „Eine fast vergessen Stimme wurde laut: Hey halt! Wach auf!“ Iris war sauer auf sich selbst. Sie hatte sich von der MS zu sehr einschüchtern lassen. Zum Jahreswechsel trat sie ihrer Erkrankung entgegen. „Am Neujahrsmorgen um acht Uhr entschloss ich mich, einen Tequila zu trinken und mein Leben zu feiern – meine Wiedergeburtstagsparty!“

Auf der Suche nach der passenden Therapie

Ein paar Monate später ließ sich Iris über die verschiedenen Behandlungsoptionen bei MS aufklären. Sie entschied sich gemeinsam mit ihrem Arzt für eine Therapie. Doch diese führte zu Nebenwirkungen, die eine Fortführung der Behandlung nicht möglich machte. Eine Situation, die viele MS-Patienten kennen – vielleicht auch Du – und die für sie mit vielen Ängsten verbunden sind, auch für Iris.

Aufgrund ihrer anhaltenden Sehstörung gab sie ihren Berufswunsch, Fotografin zu werden, schließlich auf. Trotzdem verlor Iris nicht ihren Mut. Sie probierte mehrere Therapien aus und wechselte den Arzt. Jetzt ist Iris bei einer Neurologin in Behandlung und fühlt sich dort gut aufgehoben. Trotz der Therapie leidet sie heute immer noch an Sehstörungen und, wie viele andere Betroffene auch, an Fatigue. Doch sie hat gelernt, damit umzugehen. „Es stimmt, dass MS viele Herausforderungen mit sich bringt. Für mich ist es immer noch schwierig, zu akzeptieren, dass ich eine Pause brauche. Mittlerweile ruhe ich mich aber aus, wenn ich müde bin.“

Für den Wunsch nach Selbstständigkeit und Freiheit

Die Rebellin in ihr, half Iris, sich ihre Selbständigkeit zu bewahren. Frei zu sein ist ihr sehr wichtig – sowohl körperlich als auch seelisch. So bietet sie ihrer MS die Stirn. „Freiheit bedeutet für mich nicht nur frei sein, um zu reisen und neue Dinge zu lernen, sondern frei im Geist zu sein und sich niemanden unterzuordnen.“

Iris hat sich erreichbare Träume gesetzt. Sie wünscht sich zum Beispiel, einmal über das Inlandeis in Grönland zu wandern und Sprachtherapeutin zu werden. Dafür möchte sie jetzt ihr Studium fortsetzen, dass sie aufgrund von Symptomen erst einmal hintenangestellt hat. „MS ist ein guter Grund, Träume sofort in die Tat umzusetzen. Wer weiß, was morgen sein wird. Ich rate deshalb allen, lebt Eure Träume!“

Möchtest auch Du selbstständiger und freier durchs Leben gehen, auch wenn es nicht immer einfach ist? Dann mach es doch wie Iris. Biete Deiner MS die Stirn und verwirkliche Deine Wünsche. Denke dabei immer daran: Es muss nicht gleich eine Weltreise sein, auch ein Ausflug an die Ostsee kann beispielsweise wundervolle Erfahrungen bringen und Dich das Gefühl von Freiheit spüren lassen.