Einfach dort hingehen können, wohin man möchte und das tun können, was man will – für Menschen mit MS ist das nicht immer selbstverständlich. Denn Betroffene können durch ihre Krankheit im Alltag eingeschränkt werden, auch in der Mobilität. Doch mit gewissen Hilfsmitteln und beispielsweise Physiotherapie kannst Du Deiner MS trotzen und Dir Deine Mobilität erhalten. 

Mal eben vom untersten Stock in den obersten laufen, schnell etwas zu essen einkaufen und im Sommer an den See fahren – all das macht nicht nur Lebensqualität aus, es hängt auch davon ab, wie räumlich mobil Du bist. Das heißt, wie gut Du von einem Ort zum anderen kommst und damit am Leben teilhaben sowie selbstständig für Dich sorgen kannst.1 Zwar kann Multiple Sklerose zu Einschränkungen der Mobilität führen, doch nicht bei jedem Patienten treten diese in gleichem Maße auf, beziehungsweise müssen überhaupt in Erscheinung treten2 – auch nicht bei Dir. Falls doch, erfährst Du hier, was Du selbst gegen Deine Einschränkungen tun kannst, bei wem Du Hilfe findest und welche Hilfsmittel Dir zu Verfügung stehen, um mobil bleiben zu können.

Unterschiedliche Ursachen

Einschränkungen der Mobilität können bei Multipler Sklerose durch unterschiedliche Ursachen ausgelöst werden.3 Dazu gehören Bewegungsstörungen, die durch Spastiken, Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen4, Muskelschwäche und Gangunsicherheit bedingt sind aber auch andere MS-Symptome wie Blasen- und Darmprobleme, Fatigue oder Schmerzen.3 Alle Ursachen können einzeln oder in Kombination dazu führen, dass Du nicht Deinen alltäglichen Dingen nachgehen kannst.3 Solltest Du beispielsweise einmal beim Einkaufen nicht richtig gehen können oder nach nur wenigen Minuten spontan erschöpft sein, bleibe ruhig und kläre mit Hilfe Deines Arztes die Ursache für Deine Einschränkung ab. Er kann Dir sagen, ob sie von Dauer ist oder Du etwas gegen sie unternehmen kannst.

In Bewegung bleiben

Durch Physiotherapie ist es Dir möglich, Deine Beweglichkeit zu trainieren und sie so lange wie möglich zu erhalten.  Auch Fehlbelastungen und falsche Bewegungen, die beispielsweise durch Muskelspastiken entstehen, oder aber auch Gangstörungen können mit Hilfe von Physiotherapie gebessert oder sogar behoben werden.5 Durch die Übungen erhältst Du ein besseres Gefühl für Deinen Körper, sodass Du Bewegungen wieder koordinieren kannst.5 Mehr Informationen zum Thema findest Du hier. Auch Medikamente können dir dabei helfen, Deine Gehfähigkeit zu verbessern.6 Sprich Deinen Arzt darauf an, solltest Du Einschränkungen in Deiner Bewegungsfähigkeit feststellen. Gemeinsam mit ihm kannst Du geeignete Therapiemaßnahmen besprechen. 

Nicht nur zu Fuß auf Achse

Solltest Du bereits in Deiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt sein und Dir beispielsweise das Gehen schwer fallen, ist Fahrradfahren eine gute Möglichkeit, um längere Distanzen zurückzulegen. Dabei tust Du nicht nur etwas für Dein Herz-Kreislauf-System und Deinen Stoffwechsel, sondern auch für Deine Muskeln und Gelenke.7 Durch Radfahren kannst Du Dein Gleichgewicht und die Muskeln trainieren, die bei MS-Betroffenen oft schnell geschwächt sind: Fußheber, Hüftbeuger, untere Bauch- und Oberschenkelmuskulatur.7 Gleichzeitig kannst Du der motorischen Fatigue entgegenwirken.7 Vor allem das Pedelec ist für Menschen mit MS gut geeignet. Dabei handelt es sich um ein Fahrrad, bei dem bei Bedarf ein Elektromotor eingeschaltet werden kann.7 Mehr Infos zum Bike findest Du auf der Website der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft.

Auf Tour mit Bus und Bahn

Du fährst lieber mit Bus und Bahn statt mit dem Bike? Kein Problem. Natürlich ist auch das möglich. Wichtig ist, dass Du Dir Hilfe besorgst, solltest Du diese benötigen. Entweder lässt Du Dir von einer Begleitperson beim Ein- und Aussteigen helfen oder Du fragst einen der Mitreisenden. Bist Du mit dem Rollstuhl unterwegs, ist es meist ratsam, frühzeitig zu planen. Solltest Du beispielsweise mit der Deutschen Bahn reisen, gibt es den Mobilitätsservice, den Du in Anspruch nehmen kannst.8 Er unterstützt Dich bei Deiner Reiseplanung oder aber auch bei Sitzplatzreservierungen. Wusstest Du, dass Rollstuhlfahrer und ihre Begleiter ein Recht auf einen festen Sitzplatz haben?9
Leider sind nicht alle Bus- und Bahnstationen, die Du gerne aufsuchen möchtest, rollstuhlgerecht. Wo Du eventuell auf Herausforderungen stoßen könntest, erfährst Du hier.

Autofahren mit MS

Auch das Autofahren mit MS ist möglich. Damit Du sicher im Straßenverkehr unterwegs sein kannst, solltest Du allerdings einige Dinge beachten. Denn Autofahren kann beispielsweise durch Bewegungseinschränkungen und Sehstörungen erschwert werden. Auch Medikamente können Deine Fahrtüchtigkeit einschränken.10 Um zu überprüfen, ob Du fahrtüchtig bist, kannst Du Deinen Arzt um Rat fragen. Er wird mit verschiedenen Tests feststellen, ob Du Dich problemlos hinters Steuer setzen kannst. 

Solltest Du in Deiner Bewegung eingeschränkt sein, stehen Dir heute für das Autofahren innovative Hilfsmittel zur Verfügung. Mittlerweile brauchst Du nicht einmal auf das Gaspedal treten, um durch die Gegend zu düsen. Mittels Fahrhilfen steuerst Du Dein Auto einfach per Hand.11 Auch für das Ein- und Aussteigen gibt es Hilfen oder wenn Du aus dem Rolli auf den Fahrersitz steigen möchtest.11 Schneller und einfacher kannst Du heutzutage Deinen Rolli verstauen: Mittels sogenannter Verladehilfen bringst Du ihn mit nur einem Knopfdruck im Heck Deines Autos unter oder beförderst ihn so wieder nach außen.11 Wo Du Spezialisten für den Umbau Deines Wagens findest und ob Dir dafür ein finanzieller Zuschuss zusteht, erfährst Du hier.

Du hast noch keinen Führerschein? Dann lass Deine MS Dich nicht daran hindern, ihn zu machen. Wie Du siehst, gibt es zahlreiche Hilfsmittel, die Dir die Fahrt bei Bewegungseinschränkungen erleichtern. Solltest Du Dich aufgrund von Koordinationsstörungen mit dem Treten der Pedalen schwer tun, kann ein „Automatikführerschein“ für Dich in Frage kommen.4 Mehr Infos gibt es hier.

Auch zu Hause mobil

Nicht nur unterwegs können Einschränkungen der Bewegung Dich vor Hindernisse stellen. Auch zu Hause kann es zu einigen Herausforderungen kommen. Doch auch hier können bauliche Veränderungen wie das Entfernen von Türschwellen helfen, dass Du Deinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen kannst. Für eine einfachere Fortbewegung gibt es beispielsweise zudem Gehstöcke, Treppenlifte oder Rollatoren.12 Mehr Infos zum Thema Barrierefreiheit gibt es hier

Gegen Schmerzen, Fatigue und Co.

Wie bereits erwähnt, können auch andere Symptome Deine Mobilität im Alltag einschränken. Aber bitte nicht verzagen:

- Bei Blasen- oder Darmproblemen hilft Dir der sogenannte Euro-WC-Schlüssel. Dabei handelt es sich um einen Schlüssel, der unter anderem für Menschen mit MS vorbehalten ist. Mit diesem kannst Du 12.000 öffentliche Toiletten in europäischen Ländern öffnen.13 Mehr Infos findest du hier.

- Der Fatigue kannst Du entgegenwirken, in dem Du regelmäßig und ausreichend trinkst.14 Da Fatigue durch Wärme begünstigt wird, kann Dir auch das Meiden von Hitze helfen oder indem Du Deinen Körper etwas abkühlst, z. B. mit Kühlwesten oder Nackentüchern. 

- Sollten Schmerzen dazu führen, dass Du in Deiner Mobilität eingeschränkt bist, sprich mit Deinem Arzt. Er wird nach der Ursache suchen und Dir sagen können, wie Deine Schmerzen therapiert werden können.15

Wie Du siehst, gibt es viele kleine Helfer und Anlaufstellen, die Dich dabei unterstützen können, auch mit MS mobil zu sein und Deinen Gewohnheiten nachzugehen. Wichtig ist nur, dass Du die Hilfe annimmst, wenn Du sie brauchst. Und dann heißt es: volle Kraft oder Fahrt voraus! 

${open ? "Fußnoten ausblenden" : "Fußnoten einblenden"}