Bei Multipler Sklerose handelt es sich um eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung1, bei der die Fehlregulierung der T- und B-Zellen sowie Zytokine eine entscheidende Rolle spielt. Bei der Entwicklung von neuen Therapien stand und steht dieser Fakt im Fokus der Forschung. Denn die Wissenschaftler möchten genau dort ansetzen, wo MS ihre Ursache hat: im Immunsystem. In den vergangenen Jahrzehnten wurden bereits viele Medikamente entwickelt, die die körpereigene Abwehr beeinflussen und sich damit positiv auf die Anzahl und Schwere der Schübe sowie der Symptome auswirken.2 Doch leider schränken viele der Behandlungen MS-Patienten im Alltag ein.3 Bei einigen Betroffenen führt dies sogar dazu, dass sie selbst ihre Therapie abbrechen.3

Unzureichende Behandlungssituation

Wusstest Du, dass jeder fünfte MS-Patient schon einmal selbstständig seine Behandlung abgesetzt oder pausiert hat?3 Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Wissenschafts- und Technologieunternehmens Merck. Die Gründe sind vielfältig. So empfindet ein Drittel der befragten Patienten mit schubförmig remittierender MS beispielsweise die häufigen Arztbesuche, die mit der Therapie einhergehen, als belastend.3 Etwa jeder Fünfte leidet unter den Kontrollen mehr als unter der MS selbst.3 Doch nicht nur die häufigen Arztbesuche schränken Betroffene ein. Auch die tägliche oder mehrmals wöchentliche Einnahme beziehungsweise Anwendung der Therapie kann belasten. Vielleicht stört es auch Dich, wenn Du Dich aufgrund Deiner Behandlung ständig mit Deiner MS auseinandersetzen musst, obwohl Du aktuell keine Beschwerden hast?

Die T- und B-Zellen im Fokus

Um für Dich und andere Betroffene diese Belastungen und Einschränkungen zu minimieren und in Zukunft ein freieres und selbstständigeres Leben zu ermöglichen, forschen Wissenschaftler kontinuierlich an neuen Behandlungen. Um geeignete Therapieansätze zu finden, wird seit mehreren Jahren die Rolle der T- und B-Zellen sowie Zytokine im Entstehungsprozess von MS erforscht. Diese Zellen sind eigentlich Teil der sogenannten spezifischen Abwehr.4

Die T- und B-Zellen kommen normalerweise dann zum Einsatz, wenn zum Beispiel ein Erreger es schafft, die natürlichen Barrieren des Körpers (beispielsweise die Haut) zu durchdringen.4 Beide Zelltypen zählen zu den weißen Blutkörperchen.5 Sie sind in der Lage, kleine körperfremde Oberflächenbestandteile von Erregern – sogenannte Antigene – zu erkennen und darauf zu reagieren.4 Die B-Zellen werden durch den Kontakt mit einem Antigen dazu angeregt, spezifische Antikörper gegen diese zu bilden.4 Sie sorgen anschließend dafür, dass der Erreger zerstört wird. Die T-Zellen kommen in verschiedenen Formen vor. Je nach Form reagieren sie auf unterschiedliche Weise.5 So können sie beispielsweise bestimmte Zytokine (Botenstoffe) ausschütten, die wiederrum die B-Zellen zur Bildung von Antikörpern aktivieren.

Fehlregulierung des Immunsystems

Bei MS zeigen die T- und B-Zellen ein fehlgeleitetes Verhalten. Warum das so ist, konnte bis heute noch nicht eindeutig geklärt werden. Wissenschaftler haben aber herausgefunden, dass diese Zellen sowie Zytokine eine zentrale Rolle bei dieser fehlgeleiteten Reaktion des Immunsystems spielen. 

Bei MS-Patienten ist die Blut-Hirn-Schranke, die als Barriere zwischen dem Zentralen Nervensystem (ZNS) und dem Blutkreislauf dient, aufgrund von entzündlichen Prozessen geschädigt. Infolge dessen können aktivierte T- und B-Zellen in das ZNS eintreten, wo es zu einer Aktivierung von weiteren T-Zellen kommt.6  7  8  9 Diese richten sich durch eine Fehlregulierung gegen körpereigene Strukturen und setzen sogenannte pro-inflammatorische (entzündungsfördernde) Zytokine frei, die zum einen entzündungsfördernd wirken10 und zum anderen sogenannte „Fresszellen“ aktivieren, die die Myelinscheide zerstören.6 - 8 Außerdem greifen einige der T-Zellen die Myelinscheide direkt an und schädigen damit die Nervenzellen.6 - 8

Die ebenfalls im ZNS befindlichen B-Zellen11 setzen auch entzündungsfördernde Botenstoffe frei. Außerdem produzieren sie sogenannte Autoantikörper, die sich gegen die Myelinscheide der Nervenfasern richten und diese attackieren.12

In der Entwicklung

Wie Du siehst, stehen die T- und B-Zellen sowie die Zytokine in einem komplexen Wechselspiel miteinander. Sie beeinflussen sich gegenseitig in ihrer Aktivität und tragen mit zur Entstehung von MS bei. Im Hinblick auf neue Therapien stellt die Modulation dieser drei Komponenten einen vielversprechenden Ansatz dar. In den letzten Jahren wurden unterschiedliche Substanzen untersucht, die diesen Ansatz verfolgen und gleichzeitig auf eine bessere Verträglichkeit und langanhaltende Wirkung abzielen. Einige dieser Substanzen sind bereits so weit in der Entwicklung, dass sie noch in diesem Jahr für die Behandlung von MS zugelassen werden könnten. Möchtest Du mehr darüber erfahren? Dann sprich mit Deinem Arzt. Er kann Dich näher dazu informieren.