Manche Sportler gehen in jeder Hinsicht ins Extreme – vielleicht um die Grenzen aufzuweichen, die ihnen die Krankheit zu setzen vermag? Es gibt viele MS-Erkrankte, die mit ihrer MS sportliche Höchst- und Extremleistungen erbringen, die selbst manche Profisportler in den Schatten stellen. Für manche scheint gerade die MS-Diagnose die Initialzündung gewesen zu sein, ihren Körper (heraus) zu fordern.

Fit und mobil auf zwei Rädern

Rad statt Rollstuhl, das ist die Devise von Andreas Beseler. Die MS-Diagnose bekam er mit 27 Jahren, aufgrund starker Symptome und früh einsetzender körperlicher Einschränkungen schien ein Leben im Rollstuhl unausweichlich. Bis ihn ein Freund, mit dem er früher Mountainbike gefahren ist, wieder aufs Rad gesetzt hat. Damit ist der heute 51-Jährige dem Rollstuhl davon gefahren. Heute ist Andreas Beseler, den seine Freunde „Besi“ nennen, längst zum Mutmacher für viele Menschen geworden: Er organisiert große Touren, auf denen „Besi und Friends“ Spenden für MS-Kranke in Notsituationen sammeln.1

Täglicher Marathon mit MS

Ein leichtes Lauf-Training mag ja noch einleuchten, aber muss es denn gleich ein Marathon sein? Die Dänin Anette Fredskov lief bis zu ihrer MS-Diagnose im Jahr 2009 stets nur wenige Kilometer um fit zu bleiben. Mit der Diagnose kam der Wunsch nach mehr – so lange es noch geht. Nur drei Jahre später dann das Extrem-Projekt: Ein Marathon täglich, also 42,195 Kilometer – ein ganzes Jahr lang! In der Summe waren das 366 Marathons in 365 Tagen, denn der letzte Tag sollte etwas besonderes sein und sie lief die Distanz zwei Mal. Nur für die Relation: „Normale“ Läuferinnen und Läufer geben sich die enormen Strapazen eines Marathons nur ein oder zwei Mal im Jahr.2 Annette Fredskov läuft immer noch, jeden Morgen vor der Arbeit und auch längere Distanzen. Sie hat keinerlei MS-Symptome und ein MRT zeigte, dass es keine MS-Aktivität gibt. Aber auch wenn sich das einmal ändern und eine Zeit kommen sollte, in der sie durch die MS eingeschränkt wird, ist sie sicher, dass sie dann etwas anderes finden wird, um fit zu bleiben beispielsweise Schwimmen, Fahrrad fahren oder Rollstuhlrennen. Nach dem Marathon-Jahr weiß sie, dass sie alles tun kann: „Wenn ich hart arbeite und entschlossen bin, ist alles möglich. Konzentriere dich darauf, was du tun kannst und tu es. Es gibt immer etwas, das man tun kann.“3

Auf den Mount Everest mit MS

Lori Schneider wollte nach ihrer MS-Diagnose hoch hinaus: Die Amerikanerin ist der erste Mensch mit MS, der alle „7 Summits“ bestiegen hat – das bedeutet, dass sie auf jedem Kontinent den höchsten Berg erklommen hat. Die Touren hat die Gipfelstürmerin durchaus an ihr Limit gebracht. Doch die Überwindung der Hindernisse stärkte sie im Kampf gegen ihre MS und die anderen Berge und Hindernisse im Leben. Ihre Strategie: Sie erteilt sich in schwierigen Situationen selbst die Erlaubnis, nur einen einzigen Schritt zu schaffen und zwar immer wieder. Dazu buchstabiert sie in Gedanken ermutigende Worte wie Courage. Auf diese Weise erscheint ihr die vor ihr liegende Aufgabe nicht mehr so überwältigend groß.4

Profisport mit MS

Die Ärzte leiteten dem Basketballer Chris Wright mit der Diagnose MS das Ende seiner Profi-Laufbahn ein. Er ließ sich weder von den starken Symptomen seines ersten Schubs noch von den Prophezeiungen der Ärzte beeindrucken. Als erster Spieler mit MS bekam er 2013 sogar einen Zehn-Tages-Vertrag in der NBA – bei den Dallas Mavericks war er Team-Kollege von Dirk Nowitzki und kam drei Mal zum Einsatz. Ein sehr großer Erfolg für den jungen Spieler, der ihn sehr stolz macht.5 Der mittlerweile 28-Jährige verfolgt seine Profi-Karriere übrigens weiter – in der laufenden Saison bei Auxilium CUS Torino in Italien.6

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