Bereits seit Anfang der 1960er Jahre wird der Einsatz von Tieren in der Therapie wissenschaftlich erforscht – doch schon sehr viel früher wurden Tiere eingesetzt, um die Gesundheit von Menschen zu fördern.1

Insbesondere die Hippotherapie, eine Form des therapeutischen Reitens, kann hochwirksame Effekte auf die unterschiedlichsten Symptome bei MS bieten.2 Dennoch kann die Hippotherapie weder die Physio- noch die Ergotherapie ersetzen – sie ist vielmehr ein Baustein in einem komplexen Behandlungsprogramm.2

Hippotherapie bei MS

Die Therapieeinheit auf dem Rücken eines Therapiepferdes kann

  • positiv auf Gleichgewicht und Koordination wirken2
  • die Muskulatur aktivieren2
  • die Gehfähigkeit verbessern bzw. erhalten2
  • die Beweglichkeit von Gelenken verbessern2
  • den Muskeltonus normalisieren und Spastiken verringern2
  • Schmerzen mindern2
  • das Wohlbefinden steigern2

Wie funktioniert die Hippotherapie?

Hippotherapie ist eine physiotherapeutische Therapieform, die die Schwingungen des Pferderückens und den Rhythmus des Pferdeschritts gezielt nutzt, um physiologische Reaktionen zu erreichen.2 Dem Patienten kommt dabei eine passive Rolle zu: Anders als beim Reiten, wirkt nicht der Mensch auf das Pferd ein, sondern die Bewegung des Pferderückens auf den Menschen.2 Bei der Gangart „Schritt“ wird ein mehrdimensionaler Schwingungsrhythmus vom Pferderücken auf den Menschen übertragen. Dieser ist dem Bewegungsmuster des menschlichen Ganges verwandt. Die Übertragung dieser Schwingimpulse (etwa 100 pro Minute) reaktiviert im menschlichen Gehirn fehlende oder verloren gegangene Bewegungsmuster.2 Für Menschen mit MS bedeutet das: Sie können Muskelfunktionen oder Bewegungsabläufe wie das Gehen, erhalten, verbessern oder wieder erlernen.2 Wer unter Depressionen leidet – eine häufige Begleiterscheinung bei MS3 – kann durch das Wesen des Pferdes und die Gleichgewichtsharmonie auf dessen Rücken positive Empfindungen tanken: Das Selbstvertrauen und, auch die Freude können wieder zunehmen.2

Das solltest du beachten

Du interessierst Dich für eine hippotherapeutische Behandlung? Dann achte auf die Qualifikation der jeweiligen Anbieter: Sie sollten idealerweise ausgebildete Physiotherapeuten sein und eine Zusatzausbildung zum Hippotherapeuten absolviert haben.2 Bei jeder Behandlung sollte auch ein möglichst erfahrener Pferdeführer dabei sein, der dafür Sorge trägt, dass das Pferd beim Aufsteigen ruhig stehen bleibt und auf Kommandos reagiert.2 Therapeut und Pferdeführer sind ein Team, das miteinander in Kontakt steht, um die Sicherheit und eine ruhige Gesamtstimmung während der Behandlung sicherzustellen.2 Die tragende Rolle kommt – im wahrsten Sinne des Wortes – dem Therapiepferd zu. Ideal ist ein möglichst ruhiges, ausgeglichenes und belastbares Kleinpferd, das mit einem Schrittrhythmus von 120 Schritten in der Minute gehen kann.2 Diese Schrittfrequenz ist für Menschen mit MS ideal, denn dann werden die gangtypischen dreidimensionalen Bewegungen optimal vom Pferderücken übertragen.2 Darüber hinaus sollte die Chemie natürlich stimmen: Du solltest Vertrauen zum Tier aufbauen können und seine Nähe genießen.2

Spricht was dagegen?

Du bist unsicher, ob eine Hippotherapie das Richtige für Dich ist? Dann hole Dir das Ok von Deinem Arzt, bevor Du in den Sattel steigst. Manchmal sprechen medizinische Gründe gegen eine Behandlung mit dem Pferd. Ein stabiler Kreislauf ist wichtig. Schwere Herzerkrankungen oder Allergien (beispielsweise gegen Pferdehaare) können gegen eine Hippotherapie sprechen. Ebenso bestimmte Auffälligkeiten der Wirbelsäule, frische Bandscheibenvorfälle und nicht ausreichend stabilisierte Knochenbrüche.2

Wer übernimmt die Rechnung?

Die Kosten für eine Therapieeinheit auf dem Pferderücken belaufen sich – abhängig von der Region – auf etwa 35 Euro.4 Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht zur Kostenübernahme einer Hippotherapie verpflichtet. Die Krankenkassen können jedoch auf Antrag die Kosten für eine Hippotherapie bezuschussen oder ganz übernehmen.5