In den letzten Jahren ist für die Behandlung der MS eine ganze Reihe neuer Medikamente auf den Markt gekommen, die – vielleicht auch für Dich und Deine Therapie – echte Fortschritte gebracht haben.1 Dabei hat sich der Fokus deutlich verschoben: Während Patientenbedürfnisse bei der Entwicklung neuer Medikamente früher kaum berücksichtigt wurden, sind sie inzwischen von großer Bedeutung. So kamen zum Beispiel 2010 die ersten MS-Therapien in Tablettenform auf den Markt. Sie entsprachen dem Wunsch vieler Patienten nach einer Behandlung, die einfacher anzuwenden war als die bis dahin verfügbaren Injektionstherapien. Ein wichtiges Ziel zukünftiger Therapieoptionen: den Patienten mehr Freiheit und Selbstbestimmtheit mit MS zu ermöglichen. 

Merck_Oekosystemgrafik_Neutral Pfade Druck 4C 3Mm Beschnitt

Die Entwicklung der Therapiekonzepte in der Multiple Sklerose.

Erreicht werden kann dies unter anderem durch Medikamente mit kurzen oralen, seltenen Einnahmephasen, die gleichzeitig ein verbessertes Nutzen-Risikoprofil aufweisen. Denn vor allem die meist erforderliche häufige und kontinuierliche Anwendung der Medikamente, eine Verabreichung als Injektion oder Infusion sowie die notwendigen Kontrolluntersuchungen können die Lebensqualität erheblich einschränken. Für nicht wenige Patienten sind die Belastungen durch die derzeitigen Behandlungsoptionen sogar größer als die Einschränkungen, die durch die Erkrankung selbst verursacht werden.2

Behandlung der MS – abhängig von der Erkrankungs- und Verlaufsform

Für die Therapie Deiner MS stehen aktuell verschiedene Medikamente in unterschiedlichen Anwendungsarten zur Verfügung. Welches davon bei Dir zur Anwendung kommt, hängt unter anderem von der Erkrankungsform ab, die bei Dir diagnostiziert wurde.3 

Beim klinisch isolierten Syndrom (Clinically Isolated Syndrome (CIS)) liegt keine klinisch definierte MS vor, vielmehr bezeichnet CIS das erstmalige Auftreten neurologischer Symptome.4 Gleichzeitig kommt es zu Entzündungen und zum Verlust von Myelin an einer oder mehreren Stellen im Gehirn und Rückenmark.4 Wurde bei Dir ein CIS diagnostiziert, heißt das nicht, dass Du zwangsläufig an MS erkrankst: Es kann auch bei diesem einen Ereignis bleiben.4 Als Behandlungsmöglichkeit stehen hier beispielsweise verschiedene Beta-Interferone und Glatirameracetat zur Verfügung.3 Sowohl die Beta-Interferone als auch Glatiramertacetat werden – zum Teil täglich – als Injektionen angewendet und beeinflussen das Immunsystem (Immunmodulatoren), indem sie entzündungshemmend wirken.3 5 6

Bei der primär progredienten MS (PPMS) verschlechtert sich die Erkrankung von Anfang an schleichend, ohne dass Schübe auftreten. Sie ist mit etwa zehn Prozent der Erkrankungsfälle eine relativ seltene Form der MS.4 Für ihre Behandlung steht derzeit (August 2017) kein Medikament zur Verfügung.3 Dank der intensiven Forschung auch für diese Erkrankungsform könnte demnächst mit der Zulassung eines neuen Wirkstoffs (Ocrelizumab) zu rechnen sein. 

Die sekundär progrediente MS (SPMS) dagegen entsteht aus einer anfänglich schubförmigen Verlaufsform. Diese geht dann in ein langsames, aber stetiges Fortschreiten der Erkrankung über.7 In einigen Fällen kommt es zusätzlich zur Schubbildung, man spricht dann von einer SPMS mit aufgesetzten Schüben. Die Behandlung der SPMS erfolgt unter anderem mit Beta-Interferonen oder Mitoxantron.3 Im Gegensatz zu den immunmodulatorisch wirkenden Beta-Interferonen ist Mitoxantron ein Immunsuppressivum – das heißt, der Wirkstoff unterdrückt bestimmte Funktionen des Immunsystems. Dadurch verringert Mitoxantron, das als Injektion angewendet wird, zum Beispiel die Zerstörung der Myelinscheide (Schutzschicht der Nervenfasern).8

Bei einem Großteil der Patienten (rund 85 Prozent der Fälle) beginnt die MS schubförmig, wobei sich die Symptome häufig wieder komplett zurückbilden (schubförmig remittierende MS (RRMS)), allerdings auch bestehen bleiben können.9 Bei etwa der Hälfte dieser Patienten kommt es auch im weiteren Verlauf der MS zu Schüben.9 Für die Therapie der RRMS steht eine ganze Anzahl verschiedener Wirkstoffe, wie zum Beispiel Beta-Interferone, Glatirameracetat, Teriflunomid oder unterschiedliche Antikörper (zum Beispiel Alemtuzumab, Natalizumab), zur Verfügung.3 Sowohl Teriflunomid, das einmal täglich als Tablette angewendet wird, als auch die per Infusion verabreichten Antikörper Alemtuzumab oder Natalizumab beeinflussen bestimmte, an der MS beteiligte Immunzellen (T-Zellen) und wirken so positiv auf den Krankheitsverlauf.10

Auch die Verlaufsform der MS hat Einfluss auf Deine Therapie. So wird eine milde beziehungsweise moderate Form mit anderen Medikamenten behandelt als eine (hoch-) aktive MS.3 

Neue Entwicklungen in der MS-Therapie

Schon in den letzten Jahren wurden bei der Entwicklung neuer MS-Medikamente verstärkt auch Patientenbedürfnisse nach einer leichter in den Alltag zu integrierenden Behandlung berücksichtigt, etwa bei den Therapien in Tablettenform. Doch für viele Patienten – vielleicht auch für Dich – bedeuten die derzeit verfügbaren Behandlungsoptionen noch immer eine relativ große Einschränkung ihres Alltags. Zukünftige Therapien könnten das ändern, beispielsweise Cladribin, ein neuer Wirkstoff, der gerade erst in Deutschland zugelassen wurde. Für Patienten mit hochaktiver schubförmiger MS steht dann eine weitere Behandlungsoption zur Verfügung, die ihnen unter anderem die Chance auf eine bessere Lebensqualität und mehr Freiheit und Selbstbestimmung mit MS ermöglichen kann. Da die neue Therapie in Tablettenform angewendet wird und jährlich nur zwei Kurzzeiteinnahmephasen über zwei Jahre hat, entspricht das Medikament dem Wunsch vieler Patienten nach einer einfachen und selten anzuwendenden MS-Therapie.

Ebenfalls von Bedeutung: Deine Lebensumstände

Neben den "harten" medizinischen Fakten spielt auch Deine persönliche Situation eine Rolle bei der Therapieentscheidung. So wird Dein Arzt genau mit Dir besprechen, welche der Behandlungsoptionen für Dich und Deine Lebensumstände am besten geeignet sind. Die zur Verfügung stehenden Medikamente können sich nämlich in ihrer Anwendungsform und -häufigkeit unterscheiden und auch die Sicherheit – etwa im Hinblick auf einen Kinderwunsch – sowie die Wirksamkeit der einzelnen Wirkstoffe sind nicht identisch. Da zukünftige Behandlungsoptionen verstärkt auch die Patientenbedürfnisse berücksichtigen, ist damit zu rechnen, dass Deinen persönlichen Wünschen noch besser entsprochen werden kann.

Was wichtig ist und bleibt: Sollte die MS auf die Behandlung nicht ansprechen oder – trotz Therapie – weiter aktiv sein, muss das Medikament möglichst frühzeitig gewechselt werden. Sprich Deinen Arzt daher schnellstmöglich darauf an, wenn dies bei Dir der Fall sein sollte

${open ? "Fußnoten ausblenden" : "Fußnoten einblenden"}