Aufbruchsstimmung in Leipzig: Die Neurologie verzeichne „fantastische Fortschritte – in der Behandlung von Schlaganfällen, der Therapie von Multiple-Sklerose-Patienten, beim Morbus Parkinson –, um nur einige Beispiele zu nennen“, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), die zu ihrem 90. Jahreskongress in die Messestadt eingeladen hatte.1 Bei dem von der Fachärztevereinigung organisierten Treffen informierten sich vom 20. bis zum 23. September rund 6.000 Experten aus aller Welt unter dem Motto „Mensch im Blick, Gehirn im Fokus“ über die Neuigkeiten bei der Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Nervensystems.1 Besonders interessant waren dabei natürlich auch die neuesten Entwicklungen im Bereich der MS-Therapie.

Neue Therapieempfehlungen in 2018

Die für Dich vielleicht wichtigste Neuigkeit: Für das nächste Jahr erwarten die Experten die Neuauflage der Leitlinie „Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose“. Ein überfälliger Schritt. Denn seit der letzten Aktualisierung der Leitlinie im August 2014 hat die internationale MS-Forschung viele neue Erkenntnisse hervorgebracht.2 Schwerpunkt der Überarbeitung sind laut DGN neben neuen MS-Diagnosekriterien auch die Immuntherapie der MS.2 Dabei sollen insbesondere auch gerade erst zugelassene und vor der Zulassung stehende Medikamente berücksichtigt werden, die nach Ansicht der ärztlichen Fachgesellschaft das therapeutische Spektrum um ein Wesentliches erweitern.2 Hierzu zählen zum Beispiel der Wirkstoff Ocrelizumab, aber auch der Wirkstoff Cladribin, der seit Ende August zur Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (RMS) in Europa zugelassen ist. „In Anbetracht des inzwischen als gut eingestuften Risiko-Nutzen-Verhältnisses stellt die Substanz eine Alternative zu den aktuell verfügbaren Medikamenten dar“, kommentiert Prof. Dr. Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologie am Klinikum rechts der Isar der TU München und Vorstand des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS).2 Außerdem entspricht das Medikament dem Wunsch vieler Patienten nach einer einfachen und selten anzuwendenden MS-Therapie, da die neue Therapie in Tablettenform angewendet wird und jährlich nur zwei Kurzzeiteinnahmephasen über zwei Jahre hat.

Therapieziel: Progression verhindern

Welche Möglichkeiten sich dank dieser modernen Therapieansätze für Dich ergeben, diskutierten die MS-Experten direkt vor Ort. Ergebnis: Es ist möglich, den für die Multiple Sklerose typischen schleichenden Verfall der Nervenfunktionen und damit das Zunehmen der Behinderungen über eine kritische Schwelle hinaus aufzuhalten.3 Entscheidend dafür: eine konsequente und angepasste Therapie zu einem möglichst frühen Zeitpunkt3 – auch wenn die Symptome der Krankheit zurzeit für Dich vielleicht noch nicht so schlimm sind. Gerade zu Beginn der Erkrankung können die Weichen für den weiteren Krankheitsverlauf entscheidend gestellt werden.3, 4 Denn dann ist die entzündliche Aktivität der MS besonders hoch und immunmodulatorisch (das Immunsystem verändernd) wirkende Medikamente können gezielt in die krankmachenden Entzündungsvorgänge eingreifen.4

Der genaue molekulare Mechanismus der zur MS führenden Entzündungsvorgänge ist zwar noch nicht bekannt. Sicher ist aber, dass Zellen des eigenen Immunsystems Nervenfasern im Gehirn und im Rückenmark schädigen. Die Immunzellen – vor allem so genannte T- und B-Zellen – greifen die Schutz- und Isolierschicht der Nervenfasern, ihre Myelinhülle, an.5 Das Tückische dabei: Du bemerkst die Schäden an Deinen Nervenzellen anfangs nicht oder kaum, weil die anderen Nervenzellen das noch kompensieren können. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Du regelmäßig mit Deinem Arzt über Deine Therapie sprichst und so früh wie möglich mit der für Dich am besten geeigneten Behandlung beginnst.

*Bildquelle: DGN/Hauss, URL: https://www.dgn.org/mediathek/..., zuletzt aufgerufen: 28.09.2017