Frauen sind fast doppelt so häufig von MS betroffen wie Männer. Zum internationalen Frauentag am 08. März rückt daher eine aktuelle Umfrage die Einflüsse der Autoimmunerkrankung auf die unterschiedlichen Lebensbereiche von Frauen in den Mittelpunkt. Denn, was viele Außenstehende nicht wissen, die Erkrankung wirkt sich nicht nur auf den Körper aus, sondern kann auch bei der Karriere, Partnerschaft und Familienplanung eine entscheidende Rolle spielen - und das bereits vor der gesicherten Diagnose. Die Unsicherheit möglicherweise eine chronische Erkrankung zu haben, lässt Patientinnen Entscheidungen anders treffen. 

Herausforderung Diagnose

Die erste Hürde im Leben mit MS ist die richtige Diagnose beziehungsweise der Weg dorthin. Mehr als ein Fünftel der Betroffenen erhält zunächst eine falsche medizinische Einschätzung: Depressionen, Hirntumor, Epilepsie oder das chronische Fatigue-Syndrom sind dabei die häufigsten Fehldiagnosen. Im Durchschnitt wird MS bei Frauen in Europa etwa nach einem halben Jahr und fünf Arztbesuchen diagnostiziert - damit später als bei Männern. In Deutschland müssen Patientinnen sogar noch länger auf ihr Resultat warten: Sie bekommen ihr Ergebnis durchschnittlich erst nach sieben Besuchen beim Facharzt.1

MS und Partnerschaft

Die Diagnose läutet für viele Frauen eine neue Lebensphase ein, sie setzen Prioritäten neu und überdenken ihre Zukunftspläne. Daher ist es kein Wunder, dass sich die Erkrankung stark auf die Beziehung von Frauen mit MS auswirkt. Mehr als zwei Fünftel der Befragten gaben an, sich von ihrem Partner getrennt zu haben, nachdem sie ihre Diagnose erhalten hatten. Für fast 90 Prozent der Frauen spielte ihre Erkrankung dabei eine entscheidende Rolle.1 Doch MS muss sich nicht zwangsläufig negativ auf Dein Liebesleben auswirken. Anregungen für eine glückliche Partnerschaft auch mit MS, findest Du hier.

Auch auf die Kinderplanung hat MS einen Einfluss. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen verschieben ihren Kinderwunsch auf einen späteren Zeitpunkt. Grund hierfür sind vor allem allgemeine Symptome wie Fatigue, aber auch Unsicherheit beim Thema Medikamente und Schwangerschaft.1 Doch die Erkrankung muss Deinem Kinderwunsch nicht im Wege stehen. Worauf Du vor, während und nach der Schwangerschaft achten solltest, erfährst Du hier.

MS und Freundschaft

MS-Symptome sind auch der Grund, warum viele betroffene Frauen sozial weniger aktiv sind. Beschwerden wie Fatigue oder Schmerzen hindern Frauen nicht nur dabei, ihrem ganz normalen Alltag nachzukommen. Sie schränken sie auch bei der Auswahl ihrer Freizeitaktivitäten ein. Viele fühlen sich ich dadurch ausgeschlossen und allein.1 Der Kontakt zu anderen Betroffenen, beispielsweise durch Selbsthilfegruppen, ist eine Möglichkeit, etwas gegen die Einsamkeit zu unternehmen und neue Menschen mit ähnlichen Erfahrungen kennen zu lernen. Eine Auflistung verschiedener Gruppen findest Du im Servicebereich und auch innerhalb unserer Facebook-Community kannst Du Dich mit anderen Betroffenen austauschen.  

MS und Geld

Im Hinblick auf das Thema Finanzen zeigt die Umfrage, dass sich die Erkrankung auch auf die materielle Situation von Frauen auswirkt. So äußerten zwei Drittel, dass sich durch die Diagnose etwas in ihrem Beruf geändert hat. Zwischen 60 bis 80 Prozent hatten 15 Jahre nach ihrer Diagnose ihren Job verloren. Diejenigen, die ihren Job wechselten, taten dies vor allem, weil die Belastung zu hoch und zu wenig Flexibilität vom Arbeitgeber sowie Arbeitsumfeld vorhanden oder zu wenige Pausen möglich waren.1 Doch der Traumjob muss nach der Diagnose nicht zwangsläufig an den Nagel gehängt werden. Welche Unterstützungen Dir zustehen, wie Du Dein Arbeitsumfeld für Dich passend gestaltest und so weiterhin gute Leistungen erbringen kannst, findest Du in unserer Kategorie "Karriere & Ausbildung".

Ziel der Umfrage

Um Frauen mit MS optimal unterstützen zu können, bedarf es vor allem mehr politischer Maßnahmen und Aufklärungsarbeit. Unter anderem geht aus der Umfrage hervor, dass mehr Bewusstsein für die "unsichtbaren Symptomen" der MS-Patienten geschaffen werden muss, damit Betroffene so früh wie möglich eine schnelle und eindeutige Diagnose erhalten. Auch im Berufsumfeld gibt es noch viel Verbesserungspotenzial. So könnte beispielswese mehr Flexibilität am Arbeitsplatz und finanzielle Unterstützung vom Staat helfen, die Karriere mit der Krankheit in Einklang zu bringen.1

Du möchtest Dir die gesamte Umfrage und ihre Ergebnisse im Detail anschauen? Hier kommst Du zum englischen Report.