Wie Du sicherlich mitbekommen hast, kamen in der letzten Zeit neue MS-Medikamente auf den Markt. Durch sie stehen MS-Patienten jetzt neue Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Die Therapien stellen einen großen Fortschritt in der MS-Behandlung dar.

Der Ausgangspunkt: Die Wünsche der Patienten

Aus Erfahrung weißt Du bestimmt, dass es nicht immer einfach ist, an seine Medikamente zu denken. Gerade in stressigen Situationen oder im Urlaub, wenn man einfach nur ein paar schöne Tage verbringen möchte, ist es oft schwer, die Medikation regelmäßig einzunehmen. Diese und andere Bedürfnisse von Menschen mit MS sind auch Thema in unserem Video-Interview mit Prof. Aiden Haghikia, leitender Oberarzt in der Ruhr-Universität Bochum St. Josef Hospital:

Interview mit Prof. Aiden Haghikia

Eine Behandlungsmöglichkeit in der Diskussion

Neben den neuen Medikamenten wurde in den vergangenen Monaten vor allem eine potenzielle Behandlungsmöglichkeit diskutiert: die Stammzelltherapie. Sie wird seit über 20 Jahren erforscht und zeigt in Studien vielversprechende Ergebnisse.1 Allerdings ist eine Stammzelltherapie bisher durchaus mit Risiken verbunden. Dabei werden dem Patienten eigene Blutstammzellen aus dem Knochenmark entnommen und eingefroren. Danach werden ihm Medikamente verabreicht, die die Immunzellen in seinem Körper absterben lassen. Anschließend erhält der Patient die entnommenen Stammzellen zurück.1 Die Hoffnung: Die fehlgeleiteten Immunzellen, die zur Entstehung der MS führen, sollen beseitigt und durch Zellen ersetzt werden, die das eigene Nervensystem nicht mehr angreifen.

Neue Ansätze in der Wissenschaft

Der Ansatz, die Nervenbahnen von MS-Patienten zu schützen, wird noch nicht so lange erforscht, hat aber jetzt interessante Ergebnisse zu Tage gebracht. Ein Forscherteam fand heraus, dass der Schutz möglicherweise mit einem körpereigenen Botenstoff, dem so genannten Interleukin-4, erzielt werden kann. Laut Untersuchungen scheint er sogar die Schädigungen an den Nervenzellfortsätzen umkehren zu können. Künftige Studien müssen klären, ob sich diese ersten Ergebnisse bestätigen lassen.2 Wie die Remyelinisierung, also der Wiederaufbau der aus Myelin bestehenden Nervenschutzschicht, noch erfolgen kann, erforschen Wissenschaftler derzeit an der Monash Universität in Melbourne. Sie fanden in ersten Versuchen heraus, dass die Stimulation des Gehirns beispielsweise durch bestimmte Übungen wie Jonglieren die Myelinbildung fördert.3

Neue Leitlinien

Neben Therapien und Forschungsansätzen wurde im Januar 2018 auch eine neue europäische Leitlinie für die Behandlung von Multiple Sklerose eingeführt.4 Sie wurde auf Basis von vielen verschiedenen Studien verfasst und enthält 20 Empfehlungen, die Ärzten bei der Abwägung von Chancen und Risiken bestehender Behandlungen helfen soll. Durch sie soll es außerdem einfacher werden, zu entscheiden, wann eine Behandlung abgebrochen oder verändert werden sollte und was bei einer Schwangerschaft zu beachten ist.5

Auch für Deutschland gibt es eine MS-Leitlinie, die jedoch veraltet ist. Sie soll bis Ende des Jahres mit Blick auf die neuen Therapien überarbeitet werden und sich an der europäischen Leitlinie orientieren.4 Dabei fließen auch die bereits angepassten Diagnosekriterien mit ein, die Ärzten dabei helfen sollen, MS zuverlässig und frühzeitig zu diagnostizieren.6

Bereits veröffentlicht wurde die neue Ausgabe des Qualitätshandbuchs Multiple Sklerose. Darin informiert unter anderem das Kompetenznetz Multiple Sklerose Ärzte umfassend über mögliche Risiken von MS-Therapeutika und erforderliche Monitoring- und Sicherheitsmaßnahmen.7