Sommer, Sonne, gute Laune – das tolle Wetter beschert uns in diesem Jahr nicht nur jede Menge Spaß, sondern auch viel Vitamin D. Und genau das wird seit längerem immer wieder mit MS in Verbindung gebracht.1 In den vergangenen Jahren wurde so in mehreren Studien der Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel im Blut und der Krankheitsaktivität beziehungsweise dem Fortschreiten der MS untersucht. Vielleicht hast Du auch schon den ein oder anderen Bericht darüber gelesen. Damit Du besser einschätzen kannst, wie der aktuelle Stand der Forschung zu diesem Thema ist, haben wir für Dich alle wichtigen Fragen zu MS und Vitamin D beantwortet.

Was ist Vitamin D und wozu braucht es der Körper?

Wusstest Du, dass Vitamin D eigentlich gar kein Vitamin ist, sondern ein Hormon?2 Es kann vom Körper bei ausreichender Sonnenzufuhr, das heißt UVB-Strahlung, selbst hergestellt werden.2 Du kannst es aber auch über die Nahrung aufnehmen. Allerdings ist es so nicht möglich, Deinen Körper damit komplett zu versorgen.3 Vitamin D ist an lebenswichtigen Funktionen im Körper beteiligt. So spielt es zum Beispiel eine wichtige Rolle, wenn es um den richtigen Kalzium- und Phosphatspiegel geht. Außerdem trägt es dazu bei, dass Kalzium gut aus der Nahrung aufgenommen und in die Knochen eingebaut werden kann. Auch für die Muskulatur ist Vitamin D wichtig. Es unterstützt zudem Muskelleistung und Koordinationsfähigkeit. Gleiches gilt für Schnellkraft von Reflexen.4

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Vitamin-D-Mangel?

Vitamin-D-Mangel tritt vor allem bei Menschen auf, die sich kaum oder gar nicht im Freien aufhalten oder sich dort, zum Beispiel aus religiösen Gründen, nur mit bedeckten Körper zeigen. Auch Menschen mit einer dunklen Hautfarbe bilden weniger Vitamin D als Menschen mit heller Haut. Mit dem Alter nimmt die Vitamin-D-Produktion automatisch ab, sodass ältere Menschen häufig zu geringe Vitamin-D-Spiegel aufweisen. Auch Säuglinge können betroffen sein, da zum einen in der Muttermilch wenig Vitamin D enthalten ist und sie zum anderen in der Regel nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden, da sich ihr Schutzmechanismus der Haut erst noch entwickeln muss.5 Wer aufgrund der Lebenssituation weniger Vitamin-D aufnimmt, als er sollte, kann mithilfe von Vitaminpräparaten – etwa aus der Apotheke – nachhelfen. Sprich dazu mit Deinem Arzt, ob eine zusätzliche Gabe von Vitamin D bei Dir sinnvoll ist.

Was passiert bei einer Unterversorgung mit Vitamin D?

Als allerstes muss zwischen einem niedrigen Vitaminspiegel und einem wirklichen Vitaminmangel unterschieden werden. Ein niedrigerer Vitaminspiegel kann Symptome wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit hervorrufen. Ein krankhafter Mangel stellt sich häufig erst nach Jahren der Unterversorgung ein. Dann kann es zu ausgeprägten Symptomen wie einer Störung des Knochenstoffwechsels kommen.5 Im Säuglings- und Kindesalter kann das dazu führen, dass die Knochen nicht ausreichend aufgebaut werden, sodass sie weich bleiben und sich verformen können. Auch im Erwachsenenalter kann es dazu kommen. Im höheren Alter kann ein Vitamin-D-Mangel zur Entstehung von Osteoporose beitragen.5

Was ist der Unterschied zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und hochdosiertem Vitamin D?

Von einer Nahrungsergänzung spricht man, wenn nicht mehr als 20 Mikrogramm am Tag eingenommen werden.6 Das entspricht 800 Internationale Einheiten (IE).6 Diese Nahrungsergänzungsmittel fallen in die Klasse der Lebensmittel und werden neben Apotheken auch von Drogerien und Lebensmittelgeschäften verkauft.7 Alles, was darüber liegt, wird als hochdosiertes oder ultra-hochdosiertes Vitamin D bezeichnet. Damit fallen sie in die Klasse der Arzneimittel und sind ausschließlich mit einem Rezept vom Arzt in Apotheken erhältlich.

Was passiert bei einer Überdosierung?

Wenn Du Vitamin D nur durch Sonnenlicht produzierst oder durch die Nahrung aufnimmst, musst Du Dir keine Sorgen machen, dass es zu viel sein könnte. Der Körper produziert automatisch nur so viel, wie er braucht.8 Eine Vitamin-D-Überdosierung kann bei Dir auftreten, wenn Du sehr hochdosierte Vitamin-D-Präparate (> 40.000 IE/Tag) länger als verschrieben zu Dir nimmst. Es können sich beispielsweise Nierensteine bilden. Auch eine Nierenverkalkung ist möglich. Es ist daher ganz besonders wichtig, dass Du Vitamin-D-Produkte nicht eigenmächtig einnimmst. Sprich immer zuerst mit einem Arzt. Er kann Dir sagen, ob Du überhaupt zusätzliches Vitamin D brauchst.5, 9

Welche Rolle spielt Vitamin D für MS-Patienten?

Fakt ist: Fast alle bisherigen Untersuchungen konnten bis heute nicht klar feststellen, ob der Vitamin-D-Mangel eine Folge von MS oder deren Ursache ist. Weiterhin ist nicht geklärt, ob Vitamin D die Auslöser von Multiple Sklerose bekämpft oder nur Symptome lindert.9

Das Forschungsteam um Nielsen zeigte im Jahr 2017, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel, vor allem in der frühen Kindheit und Jugend, ein geringeres Risiko haben, an Multiple Sklerose zu erkranken.10 Außerdem wurde von mehreren Wissenschaftler-Teams wie von Ascherio, Mowry und Runia bei einem höheren Vitamin-D-Spiegel eine geringere MS-Aktivität beobachtet. Das heißt, es kam zu selteneren und weniger schweren Schüben.11, 12, 13

Neue Analysen widmen sich jetzt der Therapie mit hochdosierten Vitamin D. So wird zum Beispiel im sogenannten „Coimbra-Protokoll“ geschaut, wie sich eine zusätzliche Dosis von 60.000 IE Vitamin D am Tag unter anderem auf den Verlauf von MS auswirkt. Ausgangspunkt ist dabei die Annahme, dass Patienten mit Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose eine Resistenz gegen Vitamin D haben. Das heißt, Betroffene können selbst keine ausreichenden Mengen bilden. Bisher hat Dr. Coimbra keine Studiendaten veröffentlicht. Daher kann aktuell noch nichts zu den Ergebnissen – und somit auch zu den Risiken – gesagt werden.9

Wann und warum sind Vitamin D-Präparate bei MS-Patienten geeignet?

Da der Zusammenhang zwischen dem Vitamin-D-Spiegel und dem Verlauf von MS nicht geklärt ist, sieht bislang keine Therapie-Leitlinie vor, dass Vitamin D als Therapie bei MS zum Einsatz kommen soll. Es wird, wie bei gesunden Menschen auch, nur bei einem niedrigen Vitaminspiegel beziehungsweise bei einem vorliegenden Mangel eingesetzt. Sprich mit Deinem Arzt – er kann Dir sagen, ob Du Vitamin D benötigst.

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