Allein in Deutschland hat sich die Zahl der Menschen mit Multiple Sklerose in den vergangen vier Jahrzehnten verdoppelt.1 Auch in anderen Regionen der Welt gibt es immer mehr Betroffene. So hat sich zum Beispiel die Zahl der MS-Patienten in Japan seit den 1980er Jahren vervierfacht.2 Insgesamt zeigt sich, dass vor allem in Industrieländern immer mehr Menschen mit Multiple Sklerose leben.3 Der überwiegende Teil sind Frauen. Doch was ist der Grund für diesen Anstieg?

Zum einen tragen sicherlich die verbesserten Diagnosemöglichkeiten dazu bei, dass immer mehr Betroffene identifiziert werden.2 Doch laut Experten reicht das allein als Erklärung nicht aus.2 Forscher untersuchen daher intensiv die Ursachen der Erkrankung, die in Schüben verläuft.

MS-Auslöser: Den MS-Ursachen auf der Spur

Fest steht: Bei Multiple Sklerose kommt es zu einem Angriff des Immunsystems gegen die Strukturen des zentralen Nervensystems.4 Warum genau das passiert, ist bisher nicht geklärt. Es zeigt sich aber, dass bei MS das Erbgut, die Umwelt und Lebensstilfaktoren das Immunsystem so beeinflussen können, dass es eigene von fremden Strukturen nicht mehr unterscheiden kann. Das heißt, es gibt nicht die eine Ursache für Multiple Sklerose, sondern mehrere Auslöser.5

Forschung zu den MS-Ursachen: Multiple Sklerose und die Gene

Wissenschaftler haben mittlerweile mehr als 200 Gene identifiziert, die Menschen für eine MS-Erkrankung empfänglich machen.6 Einige von ihnen stehen im Zusammenhang mit sogenannten epigenetischen Mechanismen, die Gene steuern.7 Epigenetische Mechanismen werden während des ganzen Lebens durch Umwelteinflüsse programmiert. Das heißt, damit MS ausbricht, braucht es mehr als nur bestimmte Gene.7

MS-Auslöser: Umweltfaktoren, die die MS begünstigen

Forscher fanden heraus, dass das Sonnenlicht, die Ernährung und der Hygiene-Standard höchstwahrscheinlich einen Einfluss bei der Entstehung von Multiple Sklerose haben.5 So zeigt sich, dass Menschen in Regionen mit starker Sonneneinstrahlung seltener an Multiple Sklerose erkranken. Daher gibt es im Norden Europas und Amerikas viel mehr MS-Patienten als im Süden.8 Wissenschaftler fanden außerdem heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Sonneneinstrahlung und der Anzahl der Schübe gibt – je höher die natürliche UV-Strahlung, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit für Schübe.9, 10

Auch bei den Themen Ernährung und Hygiene zeigt sich eine Verbindung zum Immunsystem. Hohe Hygiene-Standards führen beispielsweise dazu, dass das Immunsystem schlechter zwischen körpereigenen und fremden Stoffen unterscheiden kann. Damit begünstigen die hohen Hygiene-Standards die Entstehung von MS.  Das heißt aber natürlich nicht, dass man MS bekommt, weil mein regelmäßig zu Hause putzt. Auch die Ernährung hat einen Einfluss auf das Immunsystems. So zeigt sich, dass Menschen, die sich unausgewogen ernähren (einseitig, fettreich, zu viel Zucker), ein höheres Risiko besitzen, an MS zu erkranken.5

Neben Sonneneinstrahlung, Ernährung und Hygiene werden weitere Risikofaktoren für MS in der Forschung untersucht. So gehören beispielsweise folgende mögliche Auslöser dazu:11

Jung, weiblich, MS-krank

Bei der Suche nach den Ursachen für Multiple Sklerose forschen Wissenschaftler auch daran, warum Frauen in etwa viermal häufiger an MS erkranken als Männer. Bisher konnte in Untersuchungen gezeigt werden, dass bei Frauen mit MS ein bestimmtes Eiweißmolekül häufiger als bei Männern vorkommt.12 Dieses ist wohl für das Einschleusen von entzündungsfördernden Zellen des Immunsystems in das zentrale Nervensystem zuständig.12

Warum bei Frauen mit MS das Eiweißmolekül in größeren Mengen vorkommt, konnten Wissenschaftler bisher nicht klären. Zu dieser Frage sind klinische Studien für die kommenden Jahre geplant.11

${open ? "Fußnoten ausblenden" : "Fußnoten einblenden"}