Das Myelin bildet die Schutzschicht Deiner Nerven, die Myelinscheide. Du kannst es Dir wie eine Art Isolierung bei einem Kabel vorstellen. Mit seiner Hilfe werden die einzelnen Reize über die Nervenfortsätze, von einer Nervenfaser zur nächsten weitergeleitet und das mit einer sehr hohen Geschwindigkeit.1

Bei Multiple Sklerose kommt es durch eine fehlgeleitete Reaktion des Immunsystems zu Entzündungen an der Myelinscheide, sodass diese geschädigt und sogar zerstört werden kann. So kann es auch zu Schäden an den darunterliegenden Nervenfasern kommen.1 In der Folge können die Reize zwischen den Nervenfasern entweder nicht mehr wirkungsvoll oder überhaupt nicht mehr weitergeleitet werden.2 Für Dich als Multiple Sklerose-Patient bedeutet dies, dass Du dadurch Beschwerden verspüren kannst. Das können zum Beispiel Missempfindungen sein. Bei Dir können aber auch Lähmungen oder Sehstörungen auftreten.2

Kommt es durch die Multiple Sklerose zu mehreren Entzündungsherden an der Myelinschicht und in der Folge zu körperlichen Beeinträchtigungen, sprechen Ärzte von einem Schub. Ist dieser überstanden, ist der Körper meist dazu in der Lage, einen Teil der Schädigung zurückzubilden.2, 3 Doch dieser Prozess ist sehr langsam und gelingt nur teilweise. Wissenschaftler forschen daher seit Jahren daran, ihn zu beschleunigen. Einige von ihnen sind dabei jetzt einen Schritt vorangekommen.

Myelinschicht bei Multiple Sklerose neu bilden

Wissenschaftler der Monash University in Australien haben herausgefunden, dass stimulierte Nervenzellen im Gehirn zur aktiven Bildung von Myelin führen können. Sie konnten ebenfalls zeigen, dass die Nervenreizung zu einer Verdickung der Myelinschicht führt.4 Somit konnten die Forscher Ergebnisse aus früheren Studien erklären, bei denen durch spezielle Übungen wie Jonglieren und Musizieren, die Nerven im Hirn gereizt wurden und dieser Vorgang dazu führte, dass sich die Schaltkreise im Gehirn veränderten.4

Die Forschungsgruppe untersucht jetzt verschiedene Wege, um Nervenzellen zu stimulieren. Sie schauen, ob beispielsweise durch spezielle Übungen, die das Gehirn in Anspruch nehmen, die Myelinschicht wiederhergestellt werden kann. Sie untersuchen auch, ob dies gegebenenfalls durch die sogenannte transkranielle Gleichstromstimulation möglich ist.4 Wenn dem so ist, könnte es künftig möglich sein, Deine körperlichen Einschränkungen, die durch die MS entstanden sind, und auch die anderer MS-Patienten rückgängig zu machen.