Auswirkungen einer elterlichen Multiplen Sklerose auf die kindliche Entwicklung

MANITOBA (sr) – Leidet ein Elternteil unter einer chronischen Krankheit, hat dies oft Konsequenzen für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes.

Bisher ist allerdings nicht untersucht, ob ein solches Risiko auch bei Kindern von Patienten mit Multipler Sklerose existiert. Eine Forschergruppe aus Kanada und den USA hat nun untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen elterlicher MS einerseits und dem Auftreten psychischer Erkrankungen und Entwicklungsstörungen bei Kindern andererseits. Dr. N. Razaz und Kollegen untersuchten dazu auf Basis von gesundheits- und ausbildungsbezogenen Datenbanken den Entwicklungsstand von Kindern im Alter von 5 Jahren. Kriterien dafür waren „körperliche Gesundheit“, „soziale Kompetenz“, „emotionale Reife“, Sprachentwicklung“ sowie „Kommunikationsfähigkeit“.

153 Kinder mit einem von MS betroffenen Elternteil wurden hinsichtlich dieser Kriterien mit insgesamt mehr als 800 Kindern gesunder Eltern verglichen. Darüber hinaus wurden bei den Eltern in der Analyse Parameter wie Alter bei Geburt des Kindes, sozialer Status und Begleiterkrankungen berücksichtigt. Es zeigte sich, dass Eltern mit MS bei der Geburt des Kindes in der Regel älter waren, einen höheren Sozialstatus hatten, aber auch häufiger unter psychischen Erkrankungen litten. Insgesamt gab es bei den Kriterien zum kindlichen Entwicklungsstand keine Unterschiede zwischen Kindern, deren Eltern an MS erkrankt waren und Kindern von gesunden Eltern. Betrachtete man allerdings nur die Gruppe von „MS-Eltern“, die eine psychische Begleiterkrankung hatten, zeigte sich, dass deren Kinder hinsichtlich Sozialkompetenz und emotionaler Reife Defizite aufwiesen.

Quelle: Razaz N et al., Vortrag auf dem internationalen MS-Kongress ECTRIMS 2014 in Boston, Multiple Sclerosis Journal 2014; 20: (S1) 14–66