Bayerischer Sommer

Der Sommer dieses Jahr bietet geradezu einen Einführungskurs in die bayerische Lebensart. „Sauwetter“ herrscht fast jeden Tag, egal ob Dauerregen, tropische Schwüle oder afrikanische Hitze. Hauptsache, Niederschlag oder Temperaturen bieten Anlass, um ordentlich zu schimpfen. Und den finden wir eigentlich immer.

Denn Schimpfen ist eine Grundhaltung, die uns deutsche „Südländer“ ausmacht. Das tut unserer Seele gut, baut Spannung ab. Und ist dabei gar nicht böse gemeint. Wir neigen eben nicht zu Lob oder Euphorie. „Passt scho“ ist ein Kommentar, der wahre Begeisterung versteckt, „schaut net schlecht aus“ gilt als großes Kompliment, „geht so“ bezeichnet wohliges Befinden.
Wobei, so wohlig ist das Befinden auch wieder nicht, wenn der Föhn heiße Luft über die Alpen bläst. Da hilft nur Abkühlung. Daheim. Denn rund um die Seen regiert die gemeine Stechmücke. Verzehnfacht hat sich ihr Bestand in diesem Jahr. Das haben wir dem Pfingsthochwasser zu verdanken. Statt dass man den Tag gemütlich im Biergarten ausklingen lässt, wird man gestochen, geradezu genadelt. Die Mückenspray-Vorräte in Drogerie-Märkten und Apotheken sind seit Wochen ausverkauft. Ein richtiger bayerischer Sommer also.

Vielleicht hilft’s ja, die Sache von einer anderen Seite aus zu betrachten. Statt sich also einen Sonnenbrand zu holen oder im Biergarten schlecht eingeschenktes Bier unter lärmenden Menschen zu trinken, kann man die lauen Abende zu Hause erleben, mit Freunden kochen, Karten spielen. Das ist mein neues Sommerhobby. Unser Kartenspiel heißt übrigens „Schafkopf“. Klingt etwas dumpf, ist aber durchaus anspruchsvoll und passt vom Namen ganz gut zu unserem Hang zur Untertreibung.
Schafkopf im Sommer
Granteln nur wir Bayern, wenn’s ums Wetter geht? Und was könnt Ihr diesem Sommer abgewinnen?

Auf Anregungen freut sich

Raphaela