Bewegung bewegt alles

Portrait von Bettina Krug, MS-Schwester des Jahres 2013
Aufgezeichnet von Susanne Plaßmann und Maximilian Dorner

Würde ihr Mann nicht sein, wäre sie wahrscheinlich noch seltener daheim. Denn Bettina ist dauernd auf Achse. Sie geht früh aus dem Haus und kommt spät wieder heim. Und wenn es nicht wegen der Arbeit ist, dann wegen des Sports. Sie trainiert nämlich für einen Triathlon. Manchmal bis zu fünf Stunden täglich. In den Hochphasen muss dann ihr Mann den Haushalt schmeißen, Und dann gibt es ja auch noch das Motorrad, mit dem sie liebend gerne durch die Landschaft braust. Weil sie auch auf der Station in der Klinik, wo sie arbeitet, signalisiert hat, dass sie neugierig auf Neues ist, hat man sie gefragt, ob sie sich nicht besonders um MS-Patienten kümmern möchte. Völlig klar, dass sie Ja gesagt hat.

Bettina mag das Drumrumreden nicht so, lieber ist sie direkt und gerade raus. So seien sie halt, die Franken, sagt sie verschmitzt. Und genau so geht sie auch mit ihren Patienten um, wie eine Trainerin: Fördern und Fordern ist ihr Motto. Denn sie weiß ja aus dem Sport: Von nichts kommt nichts. Das Direkte bewundert sie auch an ihren Patienten, besonders an den Frauen, die ihr Leben mit der Krankheiten managen, als wären sie der Fels in der Brandung und nicht die MS. Diese Frauen regieren und werden nicht regiert. Da wird dann auch die Familie eingebunden, wenn es notwendig ist. Doch auch solche Frauen brauchen einen Ort, wo sie auftanken können. Und den versucht Bettina ihnen zu verschaffen. Da kommen dann oft viele Fragen hoch, die über die richtige Therapie weit hinausgehen. – Und das kommt toll an. Schon öfter ist ihr passiert, dass Patienten sie mit Kuchen und Salat überraschen, um auch einmal etwas zurückgeben zu können.

Auf dem Sofa sitzen ist nichts für sie, und deswegen versucht sie auch andere, in Bewegung zu setzen. Das wünscht sie sich für sich und für alle anderen, ob mit Krankheit oder ohne: die Dinge zum Laufen zu bringen. Es muss ja nicht immer gleich ein Triathlon sein…