Biomarker für Diagnose und Verlauf im Visier

Biomarker könnten in der Therapieentscheidung bei der Multiplen Sklerose (MS), ebenso wie für die Beurteilung des Therapieansprechens, wertvolle Hinweise geben.

Das stellte Prof. Dr. Suhayl Dhib-Jalbut, New Brunswick, New Jersey (USA), auf der 67. Jahrestagung der American Academy of Neurology (AAN) in Washington in Aussicht. Er wies darauf hin, dass in klinischen Studien bislang radiologische, aber auch immunologische Biomarker zum Einsatz kamen.

Grundsätzlich erwarte man sich von Biomarkern Informationen in Hinsicht auf mehrere Aspekte der MS in der klinischen Anwendung sowie als Surrogatparameter in der klinischen Forschung:
– Frühe Diagnose,
– Pathologischer Phänotyp,
– Krankheitsaktivität,
– Klinischer Verlauf,
– Therapieansprechen und
– Therapiekomplikationen
Idealerweise sollten geeignete Biomarker in ihrer Aussagekraft dem Krankheitsgeschehen vorauseilen und prognostische Einschätzungen erlauben. Aus zahlreichen Studien ließ sich bereits konsistent eine positive Korrelation aus aktuellen MRT-Befunden und künftiger Schubaktivität ableiten. Dies gilt nach Dhib-Jalbut aber nicht nur für den Krankheitsverlauf, sondern auch für die Wirksamkeit der Therapie. So gehen einem Therapieansprechen in Hinsicht auf die Schubfrequenz positive Effekte auf die Entwicklung der im MRT festgestellten Läsionslast unter derselben Behandlung voraus. Neuerdings ergaben sich ferner positive Korrelationen von der Normalisierung des Verlustes an Hirnvolumen auf der einen Seite sowie klinischen und MRT-Charakteristika auf der anderen Seite.
In einer aktuellen Übersicht nannte der Experte eine Reihe von immunologischen Biomarkern, die in der Liquordiagnostik für die Beurteilung des Krankheitsverlaufes in Frage kommen könnten. Aber auch der langgehegte Wunsch nach Biomarkern im Serum sowie zur Überprüfung der eingeschlagenen Therapie könnte bald in Erfüllung gehen. Speziell für das Therapieansprechen von Interferon beta böten Botenstoffe (Zytokine) im Serum eine vielversprechende Perspektive. So scheine ein Anstieg des antientzündlich agierenden Botenstoffes Interleukin-10 (IL-10) auf eine Wirksamkeit der Behandlung hinzuweisen. Und ein erhöhter Spiegel von IL-17, das als proinflammatorisches Zytokin mit dem Krankheitsprozess in Zusammenhang steht, deute hingegen eher ein Versagen der Interferon-Therapie an. Aus solchen Beobachtungen habe sich aber bis heute noch kein Biomarker ergeben, der als Surrogatparameter für den klinischen Verlauf oder sogar für ein Therapieansprechen tatsächlich validiert werden konnte. Im Unterschied zur Neuromyelitis Optica (NMO), für die Aquaporin-4 als aussagekräftiger Biomarker identifiziert werden konnte, werde es für die MS voraussichtlich keinen einzelnen Parameter geben, der isoliert für eine Testung in Frage käme. Bessere Chancen für die prognostische Beurteilung des Krankheitsverlaufs wie des Therapieansprechens räumte Dhib-Jalbut eher einer Kombination aus verschiedenen Biomarkern ein. Und diese könnte in ihrer Zusammensetzung variieren, um die Besonderheiten des individuellen Krankheitsverlaufs gezielt sowie die Antwort auf die gewählte Therapie spezifisch zu erfassen.