Dem Immunsystem auf der Spur

Würzburg (sr) – Immunzellen durchlaufen in ihrer Entwicklung vielschichtige Prozesse. Treten dabei Fehler auf, kann dies fatale Konsequenzen für die Betroffenen haben. Professor Edgar Serfling und sein Mitarbeiter Amiya K. Patra vom Pathologischen Institut der Universität Würzburg haben jetzt neue Details in dem Geschehen entschlüsselt. Sie könnten ein Angriffspunkt für neue Therapien sein. Eine Gruppe von wichtigen Zellen des Immunsystems, die T-Zellen, haben die Aufgabe, krankheitserregende Viren oder Bakterien im Organismus zu bekämpfen. Bei der Entwicklung der T-Zellen zur Immunzelle spielen bestimmte Faktoren, die sogenannten „NFAT-Faktoren“ eine große Rolle. Damit T-Zellen Viren oder Bakterien als fremdes Material erkennen können, müssen sie zuvor „erzogen“ werden. Diese Erziehung geschieht im Thymus – deshalb der Name T-Zellen. Dort werden Vorläuferzellen der T-Zellen, Thymozyten genannt, vielfältigen Ausleseprozessen unterworfen, bei denen auch NFAT-Faktoren eine wichtige Rolle spielen. „Treten in diesen Prozessen Fehler auf, führt das oft zu Autoimmunerkrankungen, wie beispielsweise Multiple Sklerose, Schuppenflechte und Rheuma“, so Serfling. Bei der Multiplen Sklerose etwa greifen T-Zellen im Gehirn die Myelin-Scheiden von Nervenzellen an und verursachen so die fatalen Symptome dieser Krankheit. Vorläufer der Thymozyten entwickeln im Thymus auf ihrer Oberfläche spezielle Molekülstrukturen, sogenannte Rezeptoren, an denen der körpereigene Botenstoff Interleukin 7 (IL-7) andocken kann. Nach dem Andocken überträgt IL-7 Signale, die im Zellkern Gene an- oder abschalten. In der Folge teilen sich die Vorläuferzellen und entwickeln sich zu reifen Thymozyten. Wie Amiya Patra jetzt zeigen konnte, sind an diesen Prozessen auch NFAT-Faktoren beteiligt: „Wird ein spezieller NFAT-Faktor in Mäusen abgeschaltet, so bleiben die Thymozyten auf dem frühesten Entwicklungsstadium stehen, und es bildet sich kein Thymus aus“, erklärt Patra. Verlaufen die frühen, durch IL-7 kontrollierten Schritte der Thymozyten-Entwicklung jedoch ungestört, bildet die Zelle bald weitere, für ihre Entwicklung wichtige Rezeptoren und der IL-7-Rezeptor verschwindet. Mit ihrer Arbeit konnte das Würzburger Team zeigen, dass NFAT-Faktoren nicht nur an der Erkennung körpereigenen Gewebes und an Immunreaktionen maßgeblich beteiligt sind, sondern auch an der „Erziehung“ der T-Zellen im Thymus. Sie stellen somit eine Zielstruktur dar, die für Therapien von Autoimmunerkrankungen in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.Quelle: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 23.12.2012, Link: http://idw-online.de/de/news?print=1&id=513375