Deutschsprachiges Multiple Sklerose- und Kinderwunsch-Register (DMSKW) freigeschaltet

Bochum (sr) – Während man früher Frauen mit MS von eigenen Kindern abgeraten hat, ist die Erkrankung heute kein genereller Hinderungsgrund mehr für eine Schwangerschaft. So weiß man heute, dass die Schubrate in der Schwangerschaft kontinuierlich abnimmt (bis zu 80% im letzten Drittel). Zwar erleiden etwa 30% der Frauen in den ersten 3 Monaten nach der Geburt einen Schub, die Schubrate geht jedoch im zweiten Trimenon nach der Geburt auf das Niveau vor der Schwangerschaft zurück. Auch scheinen sich Schwangerschaften nicht negativ auf die Progredienz der Erkrankung bzw. Behinderung auszuwirken Die Herausforderungen liegen derzeit deshalb eher in der richtigen Beratung hinsichtlich der immunmodulatorischen Therapien in Zusammenhang mit der Familienplanung. So treten etwa unter immunmodulatorischer Therapie regelmäßig ungeplante Schwangerschaften auf, obwohl im Falle einer solchen Therapie eine entsprechende Kontrazeption durchgeführt werden soll. Weitere Fragen ergeben sich nach der Schwangerschaft: Sollte man stillen, wenn ja, in welchen Intervallen? Wann sollte man mit der Therapie wieder beginnen?Da Schwangerschaften selbst in großen Praxen oder Kliniken nur als „Einzelfälle“ auftreten, wurde am St. Josefs-Hospital der Universitätsklinik Bochum unter Leitung von Privat-Dozentin Dr. Kerstin Hellwig ein MS- und Kinderwunschregister aufgebaut. Das Ziel des Registers ist die Sammlung von Daten hinsichtlich des MS-Verlaufs, der Auswirkungen immunmodulatorischer Therapien auf die Schwangerschaft, der Risikofaktoren für Schübe nach der Geburt und auch die Identifizierung schützender Faktoren zur Schubreduktion nach der Geburt. Auch möchte man besser verstehen, warum bei Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch und MS unter Hormonstimulation vermehrt Schübe auftreten und ob es auch hier eventuell schützende Faktoren gibt.„Die für das Register benötigten Informationen gehen nicht über das hinaus, was routinemäßig während einer Schwangerschaft erfasst wird. Es sind keine zusätzlichen Untersuchungen oder Vorstellungstermine notwendig“, erläutert Dr. Hellwig. „Alle Frauen mit MS, die aktuell schwanger sind oder kurzfristig eine mögliche Schwangerschaft planen, können gerne Kontakt mit uns aufnehmen.“ Quelle und Informationen: www.ms-und-kinderwunsch.de