Erhöhte Sturzgefahr bei MS

Bis zu 50 % der Betroffenen mit Multipler Sklerose leiden während ihrer Erkrankung häufig unter Stürzen mit der Folge von Verletzungen sowie verringerter körperlicher und sozialer Aktivitäten.

Vier Faktoren scheinen dabei bestimmend zu sein für die Sturzhäufigkeit: die Benutzung von Gehhilfen, Gleichgewichtsstörungen, verringerte kognitive Leistungsfähigkeit und MS-Subtyp. Die bisher durchgeführten Studien zu MS-bedingten Stürzen umfassen allerdings in der Regel nur kleinere Patientengruppen, untersuchen oft nur besondere Patienten-Subgruppen und wurden mit unterschiedlichen Methoden durchgeführt. Ein internationales Team von Forschern aus Schweden, Australien, Großbritannien und den USA um Dr. Ylva Nilsagård von der Universitätsklinik Örebro in Schweden hat nun den Versuch unternommen, an einem großen Kollektiv Sturzraten über ein breites Spektrum von Patienten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher MS-Schwere zu erheben und zu analysieren, inwieweit MS-bedingte und demographische Faktoren die Sturzraten beeinflussen. Dazu erfassten die Forscher Daten von 537 MS-Patienten aus vier Ländern. Dokumentiert wurden u.a. Sturzhäufigkeit, Anzahl der Stürze pro Betroffenem, Ort und Zeit der Stürze und sturzbezogene demographische Faktoren wie Alter und Geschlecht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer innerhalb eines dreimonatigen Zeitraums mindestens einen Sturz und 37 % sogar mehrere Stürze erlitten. Die meisten Stürze (65 %) passierten innerhalb geschlossener Räume. Eine primär progressive MS war ebenso mit einem erhöhten Sturzrisiko verbunden, wie ein höherer Behinderungsgrad. „Unsere Studie hat weitere Hinweise auf die hohe Sturzgefahr von Betroffenen mit MS geliefert“, resümieren die Forscher in einem kürzlich in der Fachzeitschrift „Multiple Sclerosis“ erschienen Artikel. „Ärzte und medizinisches Personal sollten deshalb bei ihren MS-Patienten ein kurzes Sturzrisiko-Screening durchführen und gegebenenfalls Hinweise geben, wie man Stürze in den Hochrisikogruppen verhindern kann.“

Quelle: Y. Nilsagård: Multiple Sclerosis, Januar 2015, Band. 21 Nr. 1, Seiten 92-100