PatientIn „Nicole“ | 12. Okt. 2018

Hallo Dr.med.Schneider,

Ich habe einen angeborenen Cholinesterase-Mangel und keinen Cholesterinmangel.
Da es bei mir mit Muskelrelaxantien zu Problemen kommen kann,z.B. Narkose wird nicht abgebaut, ist deshalb meine Frage ob ich Baclofen überhaupt nehmen darf.

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Deine Frage beantwortet

Dr. med. Detlev Schneider
Neurologe|12. Okt. 2018

Sehr geehrte Fragestellerin,

da hatte ich wohl nicht ganz genau hingeschaut. Ich bitte dies zu entschuldigen.

Nun aber zu Ihrer Frage des Cholinesterasemangels und den Einsatz von Muskelrelaxantien:

Sie haben völlig recht, Probleme gibt es inbesondere bei Mivacron und Suchinylbicholin und Lokalanästhestika vom Estertyp (z.B. Procain und Cocain). 

Die Einnahme bestimmter Medikamente beeinträchtigt zudem die Plasmacholinesteraseaktivität: Echothiophat-Augentropfen, Bambuterol, Neostigmin-, Pyridostigmin- oder Edrophonium-Therapie bei Myasthenia gravis, orale Kontrazeptiva oder auch Metoclopramid. Dies ist mir von Baclofen nicht bekannt.

Zur Differnenzierung wäre interessant, wie hoch Ihre Dibucainzahl ist, um zu bestimmen, ob eine atypische Variante vorliegt. Gerade bei der atypischen Variante des Plasmacholinesterasemangels treten Probleme mit Muskelrelaxantien auf.

Baclofen ist ein  Agonist auf prä- und postsynaptische GABA B-Rezeptoren in Gehirn und Rückenmark. Die myotonolytische Wirkung, also die muskelentspannende Wirkung von Baclofen beruht auf einer vorwiegend im Rückenmark ansetzende Verstärkung der präsynaptischen Hemmung, die zu einer Dämpfung der Erregungsübertragung führt.

Mir ist keine cholinerge Wirkkomponente und kein cholinerger Metabolismus bekannt. Die Elimination läuft unverändert über den Harn (55-92 %) und durch enzymatische Hydroxylierung.

Demnach sollte ein verzögerter Abbau der Substanz nicht bei einem Cholinesterasemangel vorliegen. In der Fachinformation stehen keine Hinweis auf Probleme beim Vorliegen eines Cholinesterasemangels.

Lediglich bei den Wechselwirkungen unter Baclofen ist bei gleichzeitiger Einnahme anderer Muskelrelaxanzien oder von Medikamenten, die einen dämpfenden Einfluss auf Funktionen des zentralen Nervensystems haben (Psychopharmaka, Schlafmittel, Opioide, sedierende Antidepressiva) bekannt, dass es zu gegenseitiger Wirkungsverstärkung kommen kann. Insbesondere ist gleichzeitiger Alkoholgenuss zu vermeiden, da die Wechselwirkungen mit Alkohol unvorhersehbar sind.

Demnoch dürfte es bei Ihnen zu keinen Problemen bei Einsatz von Baclofen kommen.

Sicherheitshalber würde ich dies aber nochmal prüfen lassen und direkt bei der Hotline des Hersteller um Rat und Erläuterung fragen.

Mit freundlichen Grüßen

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