Alltag mit MS
MS-Patienten mit Kinderwunsch

Folge2: Baby Max, das stärkste Argument für MS und Kinderwunsch

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1 + 1 = 3 Gilt das auch bei MS?
Marissa und Daniel stehen vor der Entscheidung ihres Lebens: Sollen sie es wagen, ein Kind zu bekommen. Obwohl Marissa Multiple Sklerose hat.

Wie findet Ihr so ein Schwangerschaftsregister? Würdet Ihr, wenn Ihr Euch ein Kind wünscht, mitmachen?
 
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Jahrelang hatte Marissa Bedenken, schwanger zu werden. Ist ihre MS vererbbar? Kann sie auch in Zukunft, bei einem Schub, 100 Prozent für ein Kind da sein? Das waren Fragen, die ihr die Entscheidung schwer machten.

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Im Mittelpunkt stand die Sorge, ob sie die Multiple Sklerose an ihr Kind weitervererben würde. Eine Sorge, die die Wissenschaft inzwischen eindeutig widerlegen kann, denn „MS ist keine Erbkrankheit“, wie die Neurologin PD Dr. Kerstin Hellwig betont. Sie hat ein Schwangerschaftsregister initiiert, in dem seit 2006 Daten von jungen Frauen mit MS und Kinderwunsch gesammelt und ausgewertet werden. Das Schwangerschaftsregister ist ein wichtiger Baustein, um jungen Erwachsenen mit MS Mut zu machen, sich den Kinderwunsch zu erfüllen.

Multiple Sklerose: Keine Erbkrankheit
„Sind beide Elternteile gesund, beträgt das Risiko, dass ein Kind an Multipler Sklerose erkrankt, 0,1 Prozent. Ist ein Elternteil erkrankt, erhöht sich das Risiko auf 3 Prozent.“ Damit sei das Risiko der Vererbbarkeit, so die Expertin, zu vernachlässigen.

 

Schwangerschaft: Was passiert im Körper?
Schwanger sein, das ist eine Ausnahmezustand für den weiblichen Körper. Denn es wächst bei weitem nicht nur der Bauch. Der Stoffwechsel erhöht sich um 20 Prozent, die Blutflüssigkeit um 30 bis 40 Prozent und die Produktion von Hormonen läuft auf Hochtouren. Bei Frauen mit Multipler Sklerose scheint die Schwangerschaft zudem akut vor neuen Schüben zu schützen. Das ist eines der zentralen Ergebnisse, die PD Dr. Kerstin Hellwig mit ihrem Schwangerschaftsregister herausgefunden hat.

 

Auf den gesamten Verlauf der Multiplen Sklerose hat die Schwangerschaft keinen Einfluss. Das heißt, dass Frauen, die ein oder mehrere Kinder bekommen, nicht schneller in den progredienten Verlauf der MS wechseln. Damit entkräftet PD Dr. Hellwig eine Sorge vieler jungen Frauen mit Multiple Sklerose.

 

Schwangerschaft und Psyche
Insbesondere der veränderte Hormonstoffwechsel hat auch einen starken Einfluss auf die Psyche: Von unendlichen Glücksgefühlen bis hin zu grenzenlosen Stimmungstiefs ist alles möglich. Und normal. Vor allem vergeht dieses Wechselbad der Gefühle wieder, wenn sich der Hormonspiegel nach der Geburt wieder auf den Normalzustand einpendelt.

Was bleibt, ist die MS. Wie und wann man als Mama oder Papa mit dem Kind darüber spricht, ihm erklärt, was die Krankheit im Alltag, bedeutet, hängt vom Alter des Kindes und der eigenen gesundheitlichen Verfassung ab.

 

Marissa und Daniel sind das Wagnis eingegangen und werden jeden Tag dafür belohnt.

 

JA zu Kindern, auch von Seiten der Medizin
Ihr Wunsch Familie zu sein, hat sich erfüllt. Marissa, Daniel und der kleine Max stehen für einen Neubeginn. Nicht nur privat, sondern auch in der Medizin. Denn bis vor nicht allzu langer Zeit hat man Frauen mit MS von einer Schwangerschaft abgeraten. Das ist heute – Gott sei Dank – anders. Multiple Sklerose ist kein Hinderungsgrund, eigene Kinder zu bekommen. Weder für Männer, noch für Frauen. Diese Erkenntnis ist u.a. das Verdienst von PD Dr. Kerstin Hellwig, die sich mit dem bundesweiten MS- und Schwangerschaftsregister die Aufgabe gestellt hat, möglichst viele Daten über junge Betroffene mit Kinderwunsch, während der Schwangerschaft und bei der Geburt zu sammeln. Denn Wissen ist das stärkste Argument, ist sich die Neurologin sicher. Deswegen sammelt sie jetzt zusätzlich auch Fallbeispiele von Kleinkindern, deren Eltern MS haben. Dazu mehr in Kürze.

Hier die wichtigsten Erkenntnisse aus dem MS- und Schwangerschaftsregister im Überblick:

  • Die Fruchtbarkeit von Männern und Frauen mit Multipler Sklerose ist per se nicht eingeschränkt.
  • Die Basistherapie ist nicht fruchtschädigend, gefährdet also nach derzeitigem Wissensstand nicht die Entwicklung des Kindes. Dennoch raten Experten bei Eintreten der Schwangerschaft und während der Stillzeit zu einer Therapie-Pause.
  • Die Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit MS und sogenannten gesunden Frauen sind ähnlich.
  • Bei der Geburt gibt es keinen (Hinderungs)Grund für einen Kaiserschnitt. Er kann, muss aber nicht durchgeführt werden.
  • Eine Periduralanästhesie (PDA) ist möglich und hat keinen Einfluss auf späteren Schubverlauf.
  • Die meisten Frauen mit MS können, wenn sie wollen, die von der WHO empfohlenen 4 – 6 Monate voll stillen. Nach dem Abstillen ist eine zügige Aufnahme der MS-Therapie zu empfehlen.
  • Frauen, die nicht stillen, sollten in den ersten zwei Wochen nach der Geburt die MS-Therapie wiederaufnehmen.

Noch Fragen offen?
Dann einfach Nachlesen:
Merck-Broschüre »

 

Wie findet Ihr so ein Schwangerschaftsregister? Würdet Ihr, wenn Ihr Euch ein Kind wünscht, mitmachen?

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