Alltag mit MS
MS-Patienten mit Kinderwunsch

Folge 3: Lebensaufgabe Kind(er)

hellwig

PD Dr. Kerstin Hellwig ist Neurologin, ausgewiesene Expertin zu Fragen rund um „MS und Kinderwunsch“ und sie ist Mutter.
Mache Themen scheinen im Leben direkt auf einen zu warten. Bei PD Dr. Kerstin Hellwig war es das Thema „MS und Kinderwunsch“. Im Interview erzählt sie, wie es dazu kam:

Lebensaufgabe Kind(er)

Wie kamen Sie darauf, sich so intensiv mit dem Thema „MS und Kinderwunsch“ zu beschäftigen?
Die Idee kam mir während einer Patientenveranstaltung, als mich die Patienten Dinge fragten, die ich nicht beantworten konnte. Und auch als ich in der Literatur nachforschte, fand ich keine Antworten. Es gab nichts oder nur sehr wenig zu diesem Thema. Mein Interesse wurde noch dadurch verstärkt, dass ich genau in dieser Zeit, also 2004, selbst Mutter wurde. Die Geburt meiner Tochter sensibilisierte mich. Und so begann ich, mich in der Elternzeit intensiv mit MS und Kinderwunsch zu beschäftigen.

Sie haben 400 Schwangerschaften dokumentiert. Was raten Sie Frauen mit MS, die sich ein Kind wünschen?
Diesen Wunsch auszuleben! MS ist im Allgemeinen kein Hinderungsgrund für ein Kind. Ich habe gelernt, dass der Wunsch, ein Kind zu bekommen, und die MS-Erkrankung sich überhaupt nicht ausschließen und für die meisten das Leben mit einem Baby gut machbar ist. Genau diese Botschaft wollten auch viele der Frauen, die sich bei uns gemeldet haben, vermitteln: Sie wollten mit ihrer Teilnahme anderen Mut machen, eine Familie zu gründen.

Mit welchen Ängsten von Frauen hatten Sie es immer wieder zu tun?
Häufig hörten wir die Befürchtung, dass die Zahl der Schübe nach der Entbindung steigen könnte und man durch die Geburt schneller in den schleichenden, progredienten Verlauf wechseln könnte. Beide Befürchtungen wurden anhand von Studien widerlegt. Und natürlich hörten wir oft die Angst vor der Doppelbelastung MS und Kind heraus. Aber unsere Studie zeigt eines ganz deutlich. Mütter mit MS können diese Belastung sehr gut im Alltag leben und nehmen ihr Kind als Bereicherung wahr.

Diese Erkenntnisse verdankt PD Dr. Kerstin Hellwig dem MS und Schwangerschaftsregister. Welche Daten dort mit welchen Ergebnissen gesammelt werden, erklärt sie im Video:

 

Das MS- und Schwangerschaftsregister gibt sozusagen Entwarnung in Sachen Schwangerschaft und Geburt. Oder wie es PD Dr. Hellwig ausdrückt:

“Es spricht alles dafür, Kinder zu bekommen, wenn man sich welche wünscht. Wichtig ist ein guter Neurologe, eine Hebamme, der man vertraut, eine tragfähige Partnerschaft. Aber die ist ja immer wichtig, wenn es darum geht, eine Familie zu gründen. Was zusätzlich sehr hilft, ist Unterstützung aus dem Familien- und Freundeskreis. Diese Erfahrung machen aber alle jungen Eltern, das gilt natürlich auch für Mütter oder Väter mit MS.“

Auch Marissa und Daniel haben die Erfahrung gemacht, wie wichtig Familie und Freunde sind:

 

MS und Schwangerschaft: Wissen gegen Vorurteile
MS und Kinderwunsch ist aber nicht nur ein ganz persönliches Thema. Immer wieder geraten Menschen mit MS unter gesellschaftlichen Druck, wenn es um die Familiengründung geht. Von dieser Erfahrung wurde PD Dr. Hellwig mehrfach berichtet.

„Es gibt einfach noch zu viele Vorurteile und Ängste. Genau aus diesem Grund suchen wir weiterhin Frauen für unser Register, die Ja zur Schwangerschaft sagen wollen oder schon gesagt haben. Denn Wissen ist die stärkste Waffe gegen Unsicherheit und Angst. Und mit der Teilnahme am Register können diese Frauen anderen Mut machen.“

Dabei sein – anderen Mut machen

Schwangerschaftregister

Du wünschst Dir ein Kind oder bist schwanger?
Dann melde Dich. Denn PD Dr. Kerstin Hellwig und ihr Team sucht weiterhin Frauen:

  • mit unerfülltem Kinderwunsch während einer Kinderwunschbehandlung,
  • Frauen, die derzeit schwanger sind und
  • Frauen, die in Kürze schwanger werden wollen.Interessierte melden sich am besten per Mail direkt bei PD Dr. Hellwig unter k.hellwig(at)klinikum-bochum.de

Wie entwickeln sich Kinder von Eltern mit MS?
Eine Frage, zu der es viel zu wenig stichhaltige Antworten gibt. Bis jetzt. Denn PD Dr. Kerstin Hellwig hat eine neue Studie ins Leben gerufen. Sie möchte die Entwicklung der Kinder in den ersten Lebensjahren dokumentieren. „Vielleicht können wir damit ein weiteres Argument für das Ja zum neuen Leben geben“, hofft die Neurologin.

 

Ja zum Kinderwunsch

Du bist Mama oder Papa eines kleinen Kindes?
Ganz neu sucht PD Dr. Kerstin Hellwig jetzt auch Eltern, wenn ein Elternteil MS hat, von Kindern im Alter zwischen 1,5 bis 6 Jahren. In einem kurzen Fragebogen und einem Gespräch mit dem behandelnden Kinderarzt werden die wichtigsten Daten zur Entwicklung des Kindes erhoben.
Interessierte melden sich am besten per Mail direkt bei
k.hellwig(at)klinikum-bochum.de.

 

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