Alltag mit MS
MS-Patienten mit Kinderwunsch

Folge 6: Treue gibt Sicherheit

Sich selbst und dem anderen treu zu sein, ist nicht immer einfach. Und doch ist Treue ein Fundament des Lebens. Auch in der MS-Therapie. Dort ist Treue (wissenschaftlich nennt man das Adhärenz) der Schlüssel zum Therapieerfolg.

Miteinander - füreinander

Treue ist ein großes Versprechen und zugegebenermaßen nicht immer ganz einfach einzuhalten. Nicht in der Partnerschaft und auch nicht in der Therapie. Aber ohne sie wäre jede Beziehung beliebig, sie schafft das Fundament, auf dem eine gemeinsame Zukunft reifen kann. Warum das so ist? Das ergibt sich schon aus dem Begriff. Denn eng verwandt mit der Treue ist der Begriff Vertrauen. Darunter wird die Annahme verstanden, dass Entwicklungen einen positiven Verlauf nehmen.

Therapietreue: Vorsorgen für die Zukunft
Prof. Ziemssen
Vertrauen wirkt sich also in der Gegenwart aus, ist aber auf künftige Ereignisse gerichtet. Damit hat das Wort sehr viel mit der Basistherapie gemeinsam. Denn auch diese hat entscheidenden Einfluss auf die Zukunft. Oder um es mit dem Worten von Professor Dr. Tjalf Ziemssen, dem Leiter des Dresdner MS-Zentrums, zu formulieren:

„Betroffene machen heute eine Therapie, damit es ihnen in 20 Jahren besser geht, sie möglichst mobil und selbstständig bleiben. Die Therapie hat also eine prophylaktische Wirkung: Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist die Chance auf einen positiven Krankheitsverlauf.“

So weit, so klar. Aber was hat das mit Treue zu tun?

Warum es zu MS-Symptomen kommt
Das klärt sich, wenn man sich ansieht, was die MS im Körper auslöst. Fehlgeleitete Antikörper greifen Nervenleitbahnen und Myelinhüllen an verschiedenen Stellen in Gehirn und Rückenmark an, was Entzündungen auslöst. Diese Entzündungen führen zu einer Zerstörung der schützenden Myelinschicht und manchmal auch der darunterliegenden Nervenleitbahn. An den zerstörten Stellen können Narben entstehen. Die zerstörte Schicht ersetzt der Körper durch hartes Gewebe. Sowohl die fehlende als auch die vernarbte Myelinschicht stören die Weiterleitung von Nervensignalen, was zu Ausfällen im Nervensystem führen kann, die beim Betroffenen Symptome wie Sehstörungen und Taubheitsgefühle auslösen. Und genau am Anfang dieses Prozesses setzt die immunmodulatorische Basistherapie ein.

Wie Interferone und Glatirameracetat wirken
Die Basistherapie versucht, das Immunsystem zu normalisieren, damit keine Antikörper mehr körpereigene Strukturen angreifen. Denn Interferone vermindern als körpereigene Eiweiße die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke für fehlgeleitete Immunzellen. Zudem sind sie natürliche Gegenspieler der entzündungssteigernden Gamma-Interferone und reduzieren so die Aktivierung von Abwehrzellen. Diese Mechanismen zusammengenommen führen zu einer deutlichen Verringerung der Entzündungen im Zentralen Nervensystem und damit auch zu weniger Schädigung von Nervenzellen. Glatirameracet ist ein Gemisch synthetischer Polypeptide mit bislang nicht genau bestimmten Wirkmechanismus. Da die Zusammensetzung den Bestandteilen der Isolierung von Nervenzellen ähnelt, soll es die bei MS auftretenden Entzündungsreaktionen im Zentralnervensystem vermindern. Allerdings, und da kommt die Therapietreue ins Spiel, funktioniert dieser Wirkmechanismus nicht wie bei einer einmaligen Impfung, sondern muss regelmäßig neu ausgelöst werden. Und das geschieht durch das Spritzen. Dazu braucht es am Anfang Überwindung und auf lange Sicht Überzeugung. Eigene Überzeugung. Denn der Patient ist es, der letztlich darüber entscheidet, ob er die Basistherapie macht oder nicht. Dabei kann ihn der Arzt unterstützen. Er ist ein entscheidender Partner, wenn es um die MS-Therapie geht, wie Dr. Christoph Grothe erklärt:

 

Was im Alltag zählt
Liebesschlösser zieren Thalkirchner Brücke in München99 Patienten des Neurologischen Facharztzentrums Berlin nahmen an einer Studie zur Adhärenz teil. Sie konnten in einem Fragebogen drei Merkmale angeben, die für sie ausschlaggebend sind, um mit der immunmodulatorischen Basistherapie fortzufahren. Dr. Jörg Osterhage fasst die Ergebnisse zusammen:

  • Am wichtigsten fanden die meisten Patienten den Therapieerfolg. Für sie ist entscheidend, dass die Therapie wirkt, also Schübe entweder ganz ausbleiben oder seltener auftreten.
  • Auf dem zweiten Platz folgte der Bereich Patientenschulung und Betreuung sowie der Umgang mit möglichen Nebenwirkungen. Dabei betonten die Patienten, dass für sie der persönliche Kontakt zu Arzt und MS-Betreuerin außerordentlich wichtig ist.
  • Ein weiterer entscheidender Faktor für die Therapieadhärenz ist für die befragten Patienten das günstige Nebenwirkungsprofil des Medikaments.

Vertrauen ist Mut und Treue ist Kraft
Marissa und DanielDieses Zitat von Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach würde Marissa sofort unterschreiben. Das gilt für Ihren Umgang mit der MS-Therapie, vor allem aber für die Beziehung zu ihrem Mann Daniel. Die beiden wissen, was sie aneinander haben, sie schätzen den anderen, ohne einander einzuengen, versuchen sich auch Freiräume zu schaffen. Damit machen sie genau das, was der Berliner Entwicklungspsychologe Prof. Wassilios Fthenakis als Grundlage für gemeinsames Glück sieht. „Liebe braucht keine Enge. Man braucht etwas Distanz, um das Gefühl zu entwickeln und zu erneuern. Darin unterscheidet sich der Verliebte vom Liebenden“, stellt Prof. Fthenaki fest, der in seiner Praxis über Tausende von Familiengeschichten untersucht hat. „Warum man verliebt ist, kann man erklären: Meist sagen die Menschen dann, sie oder er hat so schöne Augen oder eine tolle Figur … Aber wer liebt, der sagt, ich kann auch nicht erklären, warum ich sie liebe, aber ich tue es. Man liebt den anderen Menschen insgesamt und hinterfragt nicht Einzelheiten.“ Marissa und Daniel lieben einander, ohne Wenn und Aber, ohne Angst vor MS.

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Merck Broschüren »

 

Liebe – Vertrauen – Treue: Geht das für Euch zusammen? Und welche Rolle spielt dabei die MS?

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