Forscher der Universität Bonn wandeln Hautzellen direkt in Nervenzellen um

Bonn (sr) – Große Hoffnungen hinsichtlich der Behandlung vieler chronischer Erkrankungen auch des Nervensystems haben Forscher in den letzten Jahren in die aus Hautzellen gewonnenen sogenannten „pluripotenten“ Stammzellen gesetzt. Pluripotente Stammzellen können sich zu jedem Zelltyp eines Organismus entwickeln, weil sie noch nicht auf einen bestimmten Gewebetyp festgelegt sind. Deshalb lassen sich aus diesen Zellen auch unter geeigneten Bedingungen z. B. Herzzellen oder Nervenzellen herstellen. Mittlerweile ist es aber möglich geworden, Körperzellen direkt ineinander umzuwandeln, ohne den Umweg über ein pluripotentes Zwischenstadium zu gehen. Allerdings war diese Methode bislang wenig effizient. Nur wenige Prozent der Hautzellen verwandelten sich in die begehrten Nervenzellen.Nun haben Wissenschaftler vom Bonner Institut für Rekonstruktive Neurobiologie unter Leitung von Prof. Dr. Oliver Brüstle das Verfahren so weit entwickelt, dass die Methode für biomedizinische Anwendungen eingesetzt werden kann. Um den Umwandlungsprozess zu optimieren, setzten sie verschiedene niedermolekulare Wirkstoffe ein, die in der Lage sind, innerhalb der Zelle mehrere für deren Entwicklung notwendige Prozesse zu beeinflussen. Durch Hemmung bzw. Blockade dieser Prozesse steigerten sie die Umwandlungseffizienz  der Hautzellen zu Nervenzellen auf ein Vielfaches und konnten dabei den Weg der Gewinnung sogar vereinfachen.Am Ende enthielten ihre Zellkulturen bis zu mehr als 80 Prozent menschliche Neurone. Da sich die Zellen während des Umwandlungsprozesses noch weiter teilen, liegt die tatsächliche Effizienz sogar noch höher.„Umgerechnet können wir aus 100 000 Hautzellen auf diese Weise bis zu mehr als 200 000 Nervenzellen gewinnen“, so Julia Ladewig, Mitarbeiterin von Prof. Dr. Brüstle, die die Studie federführend durchgeführt hat.Die Bonner haben das Verfahren bereits auf andere Zelltypen wie zum Beispiel Nabelschnurzellen übertragen. Brüstle sieht die nächsten Schritte klar voraus: „Als Erstes wollen wir so gewonnene Nervenzellen für die Krankheits- und Wirkstoffforschung einsetzen. Langfristiges Ziel wird es sein, Zellen direkt im Körper in Nervenzellen umzuwandeln.“Quelle: Pressemitteilung der Universität Bonn, veröffentlicht im Informationsdienst Wissenschaft vom 10.04.2012