Forscher entdecken 48 neue Genvarianten für Multiple Sklerose (MS)

München (sr) – Wissenschaftler des Internationalen Multiple Sklerose Genetik Konsortiums, darunter auch Forschergruppen aus München, Mainz und Hamburg, haben im Erbgut von MS-Patienten 48 neue Genvarianten identifiziert, die das Risiko für die Entstehung dieser Erkrankung beeinflussen.

Es ist bekannt, dass bei Personen mit Vorerkrankungen in der Familie das Risiko eine MS zu entwickeln, erhöht ist. So haben Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern gezeigt, dass dieses erhöhte Risiko in erster Linie das Resultat genetischer Risikofaktoren ist. Die nun von den Forschern in der Fachzeitschrift „Nature Genetics online“ veröffentlichten Ergebnisse unterstreichen die Rolle des Immunsystems bei der Entwicklung der MS und bestätigen die Ähnlichkeiten von genetischen Veränderungen bei dieser mit denen vieler anderer Autoimmunkrankheiten. Für die Studie wurde eine speziell entwickelte Technologie genutzt, der sogenannte ImmunoChip. Damit gelang es den Forschern, die Erbsubstanz von 29 300 MS-Erkrankten sowie von 50 794 nichtverwandten gesunden Kontrollpersonen zu analysieren. Dabei wurden insgesamt 48 neue Erbsubstanzveränderungen identifiziert, die das Risiko für die Entstehung einer MS beeinflussen. Außerdem konnten detaillierte Kenntnisse über eine ähnliche Anzahl bereits bekannter Erbsubstanzvarianten gewonnen werden. Insgesamt gibt es nun 110 Genvarianten, die mit MS in Verbindung stehen. Obwohl jede dieser Varianten alleine nur ein sehr geringes Risiko für die Entwicklung von Multipler Sklerose bedeutet, machen sie zusammen etwa 20 % der genetischen Komponenten der Krankheit aus. Dr. Jacob McCauley von der University of Miami, Studienleiter des Konsortiums, erklärt die Bedeutung der Arbeit: „Mit diesen neuen Daten haben wir bei der Aufklärung der genetischen Komponenten dieser komplexen Krankheit einen enormen Schritt nach vorne getan. Wir sind damit der Möglichkeit näher gekommen, die zellulären und molekularen Prozesse, die für die MS verantwortlich sind besser zu verstehen und damit die spezifischen biologischen Ziele für zukünftige Therapieansätze zu identifizieren“.

Quelle: Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), Pressemitteilung vom 1.10.2013