Forscher entdecken Biomarker für Gehirnentzündungen bei MS-Patienten

München/Münster (sr) – Bei der Langzeitbehandlung von Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose mit bestimmten krankheitsmodifizierenden Substanzen kann es in seltenen Fällen zu einer schweren virusvermittelten Gehirnentzündung – einer progressiven multifokalen Leukoenzephalopathie (PML) kommen. Forscher der Universität Münster haben nun in einer Studie den Grund für die Anfälligkeit bestimmter Patienten für das Auftreten dieser schweren Nebenwirkung herausgefunden.Nach der Studie, die die Fachzeitschrift „Neurology“ in ihrer aktuellen Ausgabe veröffentlicht hat, ist ein sogenanntes Adhäsionsmolekül namens L-Selektin verantwortlich: Patienten, die eine PML entwickeln, fehlt dieses Molekül. Es befindet sich auf der Oberfläche bestimmter Immunzellen und ist unter anderem wichtig für die ersten Schritte, mit denen das Immunsystem auf Krankheitserreger reagiert. Für ihre Studie testeten Wissenschaftler von Universitätskliniken und Krankenhäusern in Osnabrück, Heidelberg, Würzburg, Bordeaux, Lille, Nizza, Toulouse und Brescia mehr als 300 Patienten aus Europa und den USA. In Münster erfolgte dann die Untersuchung der Blutproben mit Hilfe immunologischer Methoden. Der neue Test macht es möglich, jedem Patienten individuell mitzuteilen, ob er Gefahr läuft, an einer PML zu erkranken oder nicht. Wird L-Selektin nachgewiesen, ist das Risiko gering, fehlt es hingegen, liegt ein hohes Risiko vor. Ein negatives Ergebnis – also der Nachweis von L-Selektin – kann bislang das Risiko, eine PML zu entwickeln, nicht komplett ausschließen. „Der Test ist ein erster Schritt auf dem Weg, für jeden MS- Patienten eine individuelle Therapie-Empfehlung auszusprechen“, sagt Professor Dr. med. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie am Universitätsklinikum Münster.Quelle: Krankheitsbezogenes Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS), Pressemitteilung vom 9. August 2013