Forscher erzeugen unreife Nervenzellen

Bochum (sr) – Stammzellen sind Körperzellen, die das Potential haben, sich abhängig von bestimmten Faktoren in ihrer Umgebung in jedes Gewebe oder auch in bestimmte festgelegte Gewebetypen zu entwickeln. Forschern der Ruhr-Universität Bochum ist es gelungen, gezielt Stammzellen aus dem Rückenmark von Mäusen in unreife Nervenzellen umzuwandeln. Das gelang, indem sie die Zellumgebung, extrazelluläre Matrix genannt, durch die Substanz Natriumchlorat veränderten. Die Zellumgebung bestimmt, welchen Zelltyp eine Stammzelle annimmt. So können sich Stammzellen nicht nur zu Nervenzellen entwickeln, sondern z.B. auch Oligodendrozyten bilden. Dies sind Zellen im Nervensystem, die für die Bildung der Isolierschicht um die Nervenzellen, dem Myelin, verantwortlich sind. „Vorläuferzellen pharmakologisch so zu beeinflussen, dass sie sich in einen bestimmten Typ verwandeln, kann zukünftig bei Zellersatztherapien helfen“, so Prof. Dr. Stefan Wiese, Leiter der Arbeitsgruppe Molekulare Zellbiologie. „Erkrankungen wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Amyotrophe Lateralsklerose könnten dann effizienter behandelt werden.“Bei den Versuchen der Forscher zur Beeinflussung der Zellumgebung mit Natriumchlorat zeigte sich aber auch noch ein positiver Nebeneffekt: Die Nervenzellen bleiben unreif. Natriumchlorat begünstigt also die Entwicklung von Stamm- zu Nervenzellen, hemmt aber gleichzeitig auch die Reifung – ein positiver Nebeneffekt, wie Wiese erklärt: „Wenn Natriumchlorat die Nervenzellen in einer frühen Entwicklungsphase stoppt, könnte das dafür sorgen, dass sie sich nach einer Transplantation besser ins Nervensystem integrieren, als es reife Nervenzellen tun würden.“Quelle: Pressemitteilung der Ruhr-Universität Bochum vom 28.06.2012, Informationsdienst Wissenschaft, http://idw-online.de/de/news485587