Geduld zahlt sich aus

Portrait von Birgit Scheide, MS-Schwester des Jahres 2013
Aufgezeichnet von Susanne Plaßmann und Maximilian Dorner

Geduldig war sie mit ihren beiden Kindern auch nicht immer. Aber Birgit hat sich zeitlebens darum bemüht. Geduld und Beharrlichkeit brauchte sie auch, um sich in die Thematik MS einzuarbeiten. Denn sie ist in ihrem Arbeitsumfeld die einzige, die sich damit beschäftigt. Das ging nur, weil sie sich in die neue Aufgabe reinkniete – und weil diese ihr von Anfang an Freude bereitete. Geduld wünscht sie auch ihren Patienten, und diese Beharrlichkeit, die sie auszeichnet. Das heißt, sich nicht aufzugeben, egal, was kommt.

Einmal hatte sie einen jungen Mann als Patienten, der hatte sich fallen gelassen. Er nahm Drogen, schmiss seine Lehre hin. Wahrscheinlich auch, weil seine Familie nicht hinter ihm stand. Eines Tages landete er bei ihr in der Ambulanz. Es brauchte einige Zeit, bis er sich ihr gegenüber öffnen konnte, aber dann floss es nur so aus ihm heraus. Birgit vermittelte ihm den Kontakt zu einer Gruppe mit jungen MS-Betroffenen, das half dem jungen Mann und er fing sich wieder. Doch nach zwei Jahren verschwand er eines Tages. Ob er wohl wieder abgerutscht war? Hatte er sich endgültig aufgegeben? Birgit blieb hartnäckig, sie wollte ihn auf keinen Fall aufgeben. Also telefonierte sie ihm hinterher, erinnerte ihn an Termine. Und siehe da, es half: Der junge Mann kam wieder. Inzwischen hat er sogar Abitur und möchte studieren. Geduld zahlt sich eben aus, nicht nur im Umgang mit Kranken, sondern auch für die Betroffenen selbst. Sie ist die Voraussetzung dafür, Leichtigkeit zu gewinnen. Denn die versträgt sich nicht mit Hektik.

Birgits Wünsche für sich selbst sind bescheiden: Sie hat ja eigentlich alles, was sie sich für ihr Umfeld wünscht: eine Familie, die sie trägt und die sie tragen kann. Und wenn am Wochenende Zeit bleibt zum Fahrradfahren reicht ihr das. Denn mit den Jahren hat sie gelernt, auch die kleinen Dinge wertzuschätzen. Mit Geduld bekommt man auch das geschenkt.