Gehirn kann funktionelle Einbußen bei MS kompensieren

Würzburg (sr) – Bei Patienten, die an Multipler Sklerose erkrankt sind, ist das Gehirn in der Lage, bestimmte Störungen zu einem gewissen Grad zu kompensieren. Wie es das macht, haben Mediziner der Würzburger Uniklinik genauer untersucht. Ihre Erkenntnisse können dazu beitragen, die Therapie zu verbessern.Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, zeigen regelmäßig typische Merkmale: Entzündungsherde im Gehirn und Rückenmark, die je nach Ort und Größe mehr oder weniger schwere Symptome hervorrufen. Häufig gelingt es aber dem Gehirn, den funktionellen, also für den Patienten spürbaren Schaden solcher Herde zum kompensieren bzw. gering zu halten. Grund dafür ist, dass bestimmte Aufgaben von der geschädigten in eine gesunde Hirnregion übertragen werden können. Diese Eigenschaft nennt man in der Wissenschaft „Plastizität“. Gelänge es der Medizin, diese Kompensationsmechanismen an geeigneter Stelle mit Hilfe von Medikamenten oder krankengymnastischen Maßnahmen zu verstärken, ließe sich so das Auftreten von MS-bedingten Behinderungen möglicherweise verzögern oder ganz verhindern.Um dieser Frage nachzugehen, hat nun ein Wissenschaftlerteam um Professor Joseph Claßen und Dr. Daniel Zeller von der neurologischen Klinik der Universität Würzburg 14 an MS erkrankte Patienten und 14 Gesunde als Kontrollgruppe untersucht. Mit Hilfe der sogenannten transkraniellen Magnetstimulation (TMS) haben sie kurzzeitig einen Bereich im Gehirn „lahmgelegt“, der für die Bewegung der Hand verantwortlich ist, und anschließend untersucht, ob sich „gesunde“ und „MS-Gehirne“ in ihrer Reaktion darauf unterscheiden. „Wir konnten zeigen, dass eine frühe Form der Plastizität im motorischen System (der für die Bewegungsabläufe verantwortliche Teil des Gehirns, Red.) bei leicht bis mäßig betroffenen MS-Patienten trotz entzündlicher Vorschädigungen voll erhalten ist“, fasst Dr. Zeller die Ergebnisse zusammen. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass die MS-Erkrankung in den frühen Stadien mit einer Störung der zuerst einsetzenden Kompensationsschritte im Gehirn einhergeht“. Ansätze zur Rehabilitation der Betroffenen sollten dementsprechend beispielsweise darauf abzielen, für die Ausführung bestimmter Aufgaben andere Hirnregionen zu rekrutieren.Quelle: Pressemitteilung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg vom 25.09.2012