HPV-Impfung: kein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose

MÜNCHEN (sr) – Nach jahrelangen Bedenken von jungen Frauen, Mädchen und ihren Eltern gibt nun eine große Studie Entwarnung: Impfungen gegen das menschliche Papilloma-Virus (HPV) zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erhöhen nicht das Risiko für Multiple Sklerose (MS).

Schon bald nachdem im Jahr 2006 der Impfstoff gegen HPV zugelassen worden war, gab es mehrere Fallberichte über MS-Erkrankungen in kurzem zeitlichem Abstand. „Ob es sich dabei schlicht um Zufälle handelte, war damals unklar. Zahlreiche Medienberichte führten aber zur Verunsicherung: Neu erkrankte MS-Patienten vermuteten einen Zusammenhang mit ihrer Impfung“, beschreibt Professor Heinz Wiendl von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) die Erfahrungen auch aus seiner Klinik. Um die umstrittene Auslösertheorie zu untersuchen, werteten Wissenschaftler vom Statens Serum Institut in Kopenhagen die Krankheitsdaten von fast 4 Millionen Däninnen und Schwedinnen aus. 800.000 dieser Frauen hatten in diesem Zeitraum einen weit verbreiteten HPV-Impfstoff bekommen, sodass die Forscher die Häufigkeit von MS vor und nach der Impfung vergleichen konnten. Unter insgesamt 7622 Neuerkrankungen waren lediglich 163 in den ersten zwei Jahren nach einer HPV-Impfung aufgetreten.

Vor der Impfung gab es durchschnittlich 22 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre – nach der Impfung lag dieser Wert wesentlich niedriger, nämlich bei 6 MS-Erkrankungen pro 100.000 Personenjahre. Diese Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass der Impfstoff vor MS schützen würde. Das Ungleichgewicht kommt vielmehr dadurch zustande, dass MS sich bei Frauen meist erst im zweiten Lebensjahrzehnt entwickelt, während das Impfalter in der Regel zwischen 10 und 15 Jahren liegt. In einer Korrekturrechnung haben die Forscher ihre Zahlen deshalb entsprechend der natürlichen Altersverteilung von MS angepasst. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer HPV-Impfung an MS zu erkranken, erwies sich dann als genau so groß wie ohne Impfung. So erklärt Professor Wiendl: „Wir Neurologen können Mädchen und jungen Frauen eine Impfung gegen HPV guten Gewissens empfehlen, denn der Schutz vor Gebärmutterhalskrebs wird nicht durch Erkrankungsrisiken des Nervensystems erkauft“.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 27. Januar 2015