Hyposensibilisierung bei MS?

PHILADELPHIA (sr) – Das Prinzip der Hyposensibilisierung ist in der Allergologie schon lange bekannt. Man versteht darunter eine Therapieform, mit der Überreaktionen des Immunsystems behandelt werden können.

Durch die steigende Gabe von Allergenen soll es zu einer Gewöhnung an das Allergen kommen, um so die überschießende Reaktion des Immunsystems auf das Allergen zu verhindern. Einen ähnlichen Ansatz zur immunmodulatorischen Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) stellten kürzlich Prof. Dr. David Wraith, Bristol (UK) und Dr. Tammy Delovade, Billerica, Massachusetts (USA) im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Amerikanischen Neurologischen Gesellschaft AAN in Philadelphia vor. Aus 170 Aminosäuren des Myelinproteins der Myelinscheide wurden zunächst acht Bruchstücke mit je 15 Aminosäuren (Peptide) ausgewählt. Aus vier dieser Peptide wurde die Wirksubstanz, ein Immunmodulator mit der Bezeichnung ATX-MS-1467 aufgebaut.

Nachdem im Tiermodell der MS, der sogenannten experimentellen Autoimmun-Enzephalitis (EAE), eine Reihe positiver Effekte auf den Krankheitsverlauf nachgewiesen werden konnten, wurde eine erste klinische Studie mit der Substanz durchgeführt. Ähnlich dem Vorgehen bei der Hyposensibilisierung in der Allergologie erhielten 49 Patienten mit schubförmiger MS über einen Zeitraum von acht Wochen steigende Dosen von MS ATX-MS-1467 (25, 50, 100, 400 und 800 μg). Nach Erreichen der höchsten Dosis erhielten die Patienten dann alle zwei Wochen vier weitere 800 μg – Dosen. In den Wochen acht bis 16 zeigte sich in der Magnetresonanztomographie eine deutliche Verringerung neuer Läsionen im Gehirn sowie eine Verkleinerung des Gesamtvolumens der Läsionen. Allerdings traten nach Absetzen der Medikation wieder vermehrt Läsionen auf. Trotzdem glauben die Forscher, dass die ersten klinischen Ergebnisse mit dem Immunmodulator ATX-MS-1467 für die Wirksamkeit dieses neuen spezifischen Therapieprinzips sprechen. Allerdings seien noch weitere Studien bis zu einem Einsatz der Substanz bei der Versorgung von MS-Patienten in der klinischen Praxis notwendig.

Quelle: AAN 2014, Philadelphia, 28. April 2014, Poster P1.189 und Newsletter »Kongress Spezial – Fokus MS«, Ausgabe 1/2014 Merck Serono