Immunzellen, die vor Multipler Sklerose schützen entdeckt

Mainz (sr) – Von bestimmten Zellen des Immunsystems, den sogenannten dendritischen Zellen, dachte man bislang, dass sie zum Ausbruch und zur Entwicklung von Multipler Sklerose (MS) beitrügen. Forschungsergebnisse, die Wissenschaftler um Prof. Ari Waisman von der Universitätsmedizin Mainz in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Immunity“ veröffentlicht haben, legen nun das Gegenteil nahe: Die dendritischen Zellen haben eher eine Schutzfunktion. Diese Erkenntnis könnte auch Einfluss auf zukünftige Therapiekonzepte haben.Bei einer der menschlichen Multiplen Sklerose ähnlichen Erkrankung im Tiermodell, der Experimentellen Autoimmunen Enzephalomyelitis (EAE), können bestimmte Immunzellen die Erkrankung auslösen, nachdem sie von anderen Immunzellen, den sogenannten Antigen-präsentierenden Zellen (APCs), aktiviert wurden. Dendritische Zellen sind solche APCs. Bislang war jedoch nicht bekannt, ob die dendritischen Zellen auch diejenigen APCs sind, die EAE auslösen können. In der neuen Studie wandten die Forscher genetische Methoden an, um bei Mäusen die Anzahl dendritischer Zellen zu verringern. Überraschenderweise waren die Mäuse weiterhin empfänglich für EAE und die Krankheit konnte sich sogar noch stärker entwickeln. Dies deuteten die Forscher als Hinweis darauf, dass dendritische Zellen nicht an der Entstehung der Krankheit beteiligt sind. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass die dendritischen Zellen eher sogar für eine geringere EAE-Anfälligkeit sorgen.„Unsere Forschungsergebnisse legen nah, dass die dendritischen Zellen das Immunsystem in Schach halten“, erläutert Dr. Nir Yogev, Mitarbeiter von Prof. Waisman. „Die Injektion dendritischer Zellen könnte somit als Therapie genutzt werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Behandlungsansatz über die Krankheit MS hinaus auch auf andere Autoimmunkrankheiten, wie beispielsweise chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und Psoriasis, Anwendung finden wird.“ fügt Prof. Waisman hinzu.Quelle: Pressemitteilung der Stabsstelle Kommunikation und Presse Universitätsmedizin Mainz vom 23.08.2012