Individueller Therapieansatz verbessert Therapietreue bei MS

München (sr) Der langfristige Erfolg einer Therapie bei chronischen Erkrankungen wie der Multiplen Sklerose (MS) ist nicht zuletzt auch abhängig von der Therapietreue (Adhärenz) der betroffenen Patienten. Die Ursachen einer fehlenden Therapietreue können dabei sowohl beim Patienten selbst liegen als auch beim behandelnden Arzt oder bei speziellen mit der Therapie verbundenen Faktoren.Welche Faktoren bei der MS zur mangelnden Adhärenz führen, hat jetzt eine Studiengruppe um Prof. Dr. Christian Bischoff von der Neurologischen Gemeinschaftspraxis am Marienplatz in München untersucht und in der Fachzeitschrift Journal of Neurology veröffentlicht.Die Forscher werteten dazu Daten von 396 ambulanten MS-Patienten aus insgesamt 40 neurologischen Zentren aus. Alle ausgewerteten Patienten hatten eine immunmodulatorische Therapie abgebrochen. Ausgewertet wurden neben den Adhärenzraten u.a. die Gründe für das Absetzen der Therapie sowie die Bereitschaft der Patienten, wieder mit einer Therapie zu beginnen.Es zeigte sich, dass in nahezu 75 % der Fälle die Entscheidung zum Absetzen der Therapie vom Patienten selbst getroffen wurde. Als Gründe dafür wurden die fehlende Wirksamkeit der Therapie (51,4 %) sowie Nebenwirkungen (58,1 %) genannt. Weitere Gründe waren das Auftreten von Depressionen bzw. von Fatigue. Als wichtige Faktoren für eine bessere Adhärenz stellten sich ein gutes Einfühlungsvermögen des behandelnden Arztes und eine Betreuung durch einen MS-Schwesterndienst heraus. Nahezu die Hälfte der Patienten wollte nicht wieder mit einer Therapie beginnen, da sie nicht davon überzeugt waren, dass ihnen die Therapie hilft, weil sie Spritzenangst hatten oder weil sie dadurch ständig an ihre Krankheit erinnert würden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass man die Therapietreue durch eine adäquaten, individuellen Therapieansatz für den einzelnen MS-Patienten verbessern kann“, so Prof. Bischoff und Kollegen in ihrem Fazit. „Dies sollte unter medizinischen, organisatorischen und nicht zuletzt auch psychologischen Aspekte erfolgen.“Quelle: Journal of Neurology, November 2012, Band 259(11), S. 2347-53