Interferontherapie doch langfristig wirksam bei Multipler Sklerose (MS)

Pavia (sr) – Zu großer Verunsicherung von MS Patienten unter einer Interferontherapie hatte kürzlich eine Veröffentlichung von Forschern der Universität Vancouver geführt. In einer Analyse der Daten von knapp 2660 MS-Patienten aus der kanadischen Provinz British Columbia hatten sie keine Hinweise dafür gefunden, dass eine Interferontherapie langfristig die Progression der MS-typischen Behinderungen bremst.Allerdings räumten die Forscher selbst bereits methodische Schwächen bei der Studie ein. Hinsichtlich ihrer Krankheitsaktivität, ihrer Begleitmedikation oder der Schwere ihrer Erkrankung waren die untersuchten Gruppen eigentlich nicht vergleichbar. So waren z. B. in der unbehandelten Gruppe viel mehr Patienten mit längerem Krankheitsverlauf und geringerer Schubzahl. Dies alles lässt die Aussagekraft der Ergebnisse aus Kanada anzweifeln.Auch die Ergebnisse einer kürzlich veröffentlichten Langzeitstudie sprechen für den Nutzen einer Interferon-Behandlung von MS-Patienten. Eine Forschergruppe um Prof. Roberto Bergamaschi vom Neurologischen Institut C. Mondini in Pavia (Italien) analysierte dazu die Daten von mehr als 1100 Patienten mit schubförmiger MS. Knapp 60 % dieser Patienten waren über mehrere Jahre mit krankheitsmodifizierenden Arzneimitteln (entweder Interferonen oder Glatirameracetat) behandelt worden. „Die Auswertung unserer Daten zeigt, dass eine solche Behandlung das Risiko für ein Fortschreiten der MS signifikant verringert“, so Bergamaschi. „Sie bestätigen die Fähigkeit dieser Präparate, den Krankheitsverlauf der MS sowohl durch ihre Wirkung auf die entzündlichen als auch auf die neurodegenerativen Prozesse zu modifizieren“.Quelle: Multiple Sclerosis Journal, online veröffentlicht vor Druck, 31 Mai 2012