Kämpfen lohnt sich

Portrait von Michaela Graf, MS-Schwester des Jahres 2013
Aufgezeichnet von Susanne Plaßmann und Maximilian Dorner

Luka heißt der Kater, mit dem Michaela am Stadtrand wohnt. Der baut sie auf, denn die Arbeit als MS-Schwester ist manchmal doch ganz schön fordernd. Dann hilft es ihr, wenn sie sich abends mit einem Buch in den Garten setzen kann, um die Seele baumeln zu lassen. Das Schweigen genießt sie richtig, wenn sie schon den ganzen Tag geredet hat. Ruhe sucht sie auch bei ihren Urlaubsreisen – nur leider sind die für dieses Jahr schon vorbei.
Als sie angefangen hat, sich besonders um MS-Kranke zu kümmern, wusste sie gar nicht so recht, worauf sie sich da eingelassen hat. Inzwischen kennt sie sich nicht nur mit der Krankheit aus, sondern auch mit den vielen kleinen Problemchen, mit denen sie über das Medizinische hinaus konfrontiert wird.

Manchmal sind es aber auch große Probleme, und dann kann auch die friedliebende Michaela ihre Klauen ausfahren. Als einer ihrer Patienten immer schlechter laufen konnte, und trotzdem keinen Rollstuhl bekam, war so ein Moment gekommen. Das Gehen bereitete ihm große Schmerzen, aber er traute sich nicht, sich jemandem anzuvertrauen. Da hat Michaela sich eingesetzt und war bei der Krankenkasse auch entsprechend hartnäckig. Der Betroffene selbst war viel zu gutmütig und bescheiden, als dass er etwas für sich gefordert hätte, was ihm eigentlich zustand. Also hat er für zwei Jahre das Haus kaum mehr verlassen. So etwas kann man doch nicht einfach hinnehmen! Für sich selbst hätte sie wahrscheinlich nicht so kämpfen können, aber für diesen Patienten hat sie es gerne gemacht.
Für sich selbst wünscht sie sich, einmal mit einem Düsenjäger mitzufliegen. Geschwindigkeit macht sie glücklich. Wenn sie bei jemandem mitfährt, der so richtig aufs Gas drückt, breitet sich in ihrem Gesicht immer ein Grinsen aus. Und für ihre männlichen Patienten wünscht sie sich eine verständnisvolle Frau. Die sollen nur nicht denken, dass sie nur wegen dieser Krankheit keine finden können!