Kein erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose durch Impfungen

Reihenimpfungen zum Schutz vor Gebärmutterhalskrebs erhöhen nicht das Risiko für Multiple Sklerose (MS). Dies war das Ergebnis einer Studie des Statens Serum Institut in Kopenhagen, bei der die Krankheitsdaten von fast 4 Millionen Frauen ausgewertet wurden.

Zum im Wesentlichen gleichen Ergebnis kommt auch eine Studie, die in Südkalifornien mit einer anderen Methode nach einem möglichen Zusammenhang von MS mit verschiedenen Impfungen gesucht hat. Ein Forscherteam um Dr. Annette Langer-Gould vom Neurologischen Forschungsinstitut des Versicherungsunternehmens Kaiser Permanente Southern California hat dazu sämtliche Patientenakten des Unternehmens aus den Jahren 2008 bis 2011 nach Hinweisen auf neurologische Auffälligkeiten untersucht und mit den Daten von Impfungen vor allem gegen das menschliche Papilloma-Virus (HPV) und Hepatitis B verglichen. Den 780 Fällen mit MS stellten die Forscher dann eine fünffache Zahl von Kontrollen gegenüber – Versicherte also, die den Erkrankten bezüglich Alter, Geschlecht und Wohnort möglichst ähnlich waren. „Auch bei diesem Vergleich fand sich kein Zusammenhang zwischen einer Impfung und dem Risiko, danach eine demyelinisierende Krankheit zu erleiden“, stellt Professor Bernhard Hemmer, Direktor der Neurologischen Klinik der Technischen Universität München, fest. Eine genauere Betrachtung zeigte allerdings, dass das Risiko, in den ersten 30 Tagen nach der Impfung mit MS oder einer ähnlichen Krankheit diagnostiziert zu werden, für Geimpfte unter 50 Jahren mehr als doppelt so hoch war wie für Nichtgeimpfte. „Diese Daten sprechen gegen einen ursächlichen Zusammenhang“, erklärt Hemmer. Wahrscheinlich sei es vielmehr, dass bei Menschen mit einer bereits vorhandenen, unterschwelligen Erkrankung eine Impfung den Übergang zu sichtbaren Symptomen beschleunigen könne. „Solch ein Übergang kann auch durch jede natürliche Infektion – etwa mit Schnupfenviren – eingeleitet werden.“ Eine Impfung aber verleihe im Gegensatz zu den meisten natürlichen Erkrankungen lange anhaltenden Schutz.

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 27. Januar 2015