Kostengünstige Statine als Behandlungsoption bei Multipler Sklerose?

MÜNCHEN (sr) – Vor Jahren erzeugten spektakuläre Therapieerfolge bei Mäusen mit MS-artiger Hirnentzündung hochfliegende Erwartungen, jüngst befeuert durch eine britische Studie, die unter dem Lipidsenker Atorvastatin eine verringerte Hirnatrophie festgestellt hatte.

Doch die Ergebnisse lassen eher mehr Fragen offen als sie zu beantworten. Zwar weisen experimentelle Daten und Tiermodelle auf einen immunmodulierenden Effekt von Statinen hin. Aber: „Es gibt nach wie vor keinen Beleg für die therapeutische Wirkung von Statinen bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS“, stellt Prof. Dr. Volker Limmroth auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in München klar. „Daher Finger weg von Statinen bei MS!“, warnt der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Palliativmedizin Köln-Merheim. Die Kombination von Atorvastatin und Interferon Beta bei schubförmiger MS zeigt auch langfristig über 12 Monate keinen positiven Effekt im Vergleich zur Interferon-Monotherapie. Dies konnte jetzt in einer aktuellen Studie nachgewiesen werden. Limmroth: „Es gibt keinen additiven Therapieeffekt.“ Und nicht nur das: Einzelne Fallberichte zeigten sogar eine Verminderung des klinischen Effekts gibt man beide Substanzen gleichzeitig. Schon eine 2009 veröffentlichte Studie hatte keine Verbesserung der klinischen Effektivität zeigen können, wenn man ein Interferon mit dem Lipidsenker kombinierte.

„Die Analyse der Studie kam zwar nicht zu dem Schluss, dass die Kombination von Interferon und Statinen die klinische Effektivität der Interferone reduziert, aber es zeigt sich auch keine Verbesserung“, fasst Limmroth zusammen. Stattdessen fand sich eine Erhöhung der Nebenwirkungsrate. „Gerade über die klassischen Nebenwirkungen der Statine wie Muskelschmerzen und Schmerzen in den Extremitäten wird vermehrt berichtet. Diese Beschwerden könnten auch auf klinische Symptome einer MS hindeuten, was die klinische Beurteilung der Wirksamkeit der Statine weiter erschwert“, so Limmroth. „Insgesamt ist eine gemeinsame Gabe von Statinen und Interferonen nicht empfehlenswert – sie sollte vermieden werden“.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 17. September 2014