Land in Sicht!

Ein Ausruf aus der Takelage eines imposanten Dreimasters. Hoffnungen, Erwartungen, unter die sich eine gehörige Prise Euphorie mischt. Drei Worte nur und doch schwingt so viel mehr darin mit. Nach Wochen, ja Monaten auf See, nach Monotonie und Alltagstrott die Aussicht auf Veränderung, auf Freude und andere Menschen als die Crewmitglieder. Nach Ausgeliefert- und Angewiesen-Sein, nach Entbehrungen und Fremdbestimmtheit der Blick in die Zukunft und die Hoffnung auf eine gute Zeit.

Willkommen an Bord des Segelschulschiffs Nervenfresser. Wir sind am Ende einer weiteren Etappe unserer Ausbildungsreise. Wie immer hatten wir Spritzen und allerlei andere Medizin an Bord, wollten so manche Unbill durch verschiedene Therapien erträglicher machen. Und trotzdem wurde es eine mehr als abenteuerliche Fahrt. Schwankende Schiffsplanken, stürmische See, bis zu Windstärke 11. Kein Wunder, dass die ersten drei Wochen im März/April das Gleichgewicht strapazierten. An den ersten Tagen stellte sich massiver Drehschwindel ein. Es dauerte, bis alles wieder gerade gerückt war. Dann folgten einige ruhigere Tage, bis wir durch einen Temperatursturz ausgelöst erhebliche Probleme mit den oberen Atemwegen bekamen. Nach weiteren zwei Wochen glaubten wir schon, Land sei in Sicht. Aber weit gefehlt: Es sollte eine Illusion sein.

Angeschlagene Zehen, entzündetes Zahnfleisch folgten und seit mehr als vier Wochen plagt der Rücken. An Bord dieses Schiffes, das ohnehin nur mit viel Erfahrung und ausgeklügelter Balance-Technik gesegelt werden kann, hat halt jede noch so kleine Störung ungeahnte Auswirkungen. Kraftraubend und wahrlich nervenzehrend sind solche Wochen und Monate und es wird immer schwieriger an bessere Zeiten zu glauben.

Nun sehe ich wieder Land –  in der Hoffnung, dass es dieses Mal mehr ist als eine Illusion und dass mein Segelschulschiff danach ruhigere, wohltemperierte Gewässer ansteuert.

Schiff Ahoi!IMG_0315[1]