Liquordiagnostik der Multiplen Sklerose nach wie vor erforderlich

Hamburg (sr) – Auch nach der im Jahr 2010 erfolgten Überarbeitung der McDonald Kriterien behält die Liquordiagnostik bei der Diagnose der MS ihre Existenzberechtigung. Dies ist die Kernaussage eines Vortrags von Prof. Hayrettin Tumani von der Universitätsklinik Ulm auf einem Symposium der Firma Merck Serono in Hamburg.Die revidierten Kriterien nach McDonald haben das Ziel, nur mit einigen wenigen magnetresonanztomographischen (MRT-) Untersuchungen eine MS- Diagnose auch schon im Frühstadium zu sichern. Eine Liquor-Untersuchung ist danach nicht mehr erforderlich, da der Nachweis der räumlichen Verteilung entzündlicher Läsionen allein durch das MRT geführt werden könne. Dies sei zwar nachvollziehbar und richtig, erläuterte Prof. Tumani in seinem Vortrag, dabei werde aber nicht berücksichtigt, dass der Liquordiagnostik beim Ausschluss von Differentialdiagnosen eine große Bedeutung zukomme. Einen entzündlichen ZNS-Prozess auszuschließen bzw. zu beweisen, könne gegenwärtig nur mit der Liquordiagnostik und nicht mittels einer MRT-Untersuchung erfolgen.Zahlreiche Studien bei Patienten mit klinisch-isoliertem Syndrom zeigten, dass das Vorliegen von oligoklonalen Banden in der Rückenmarksflüssigkeit das Risiko einer Konversion in eine Multiple Sklerose unabhängig von dem MRT-Befund verdoppelt. Auch bei der Differentialdiagnose von MS und Neuromyelitis optica könne die Liquordiagnostik hilfreich sein. „Eine zu vereinfachte und vorschnelle MS-Diagnose birgt die Gefahr einer limitierten differentialdiagnostischen Abklärung,“ so Prof. Tumani. Daher sollte, wie er weiter ausführte, „die Liquor-Untersuchung zum Nachweis bzw. Ausschlus eines entzündlichen Prozesses bei der Frühdiagnose einer Multiplen Sklerose eingeschlossen werden, auch wenn die neuen Diagnose-Kriterien eine Liquor-Analytik nicht für obligat erachten.“Quelle: H. Tumani: Liquordiagnostik in Zeiten McDonald 2010, , 8. Interaktives Symposium Merck Serono, Hamburg, 06.02.2012