Mechanismen-orientierte Klassifizierung von MS-Schmerzen kann Schmerztherapie verbessern

Rom (sr) Etwa 50 % der Patienten mit Multipler Sklerose (MS) leiden zumindest einmal während des Krankheitsverlaufs unter Schmerzen. Demgegenüber gibt es allerdings bei der Therapie von Schmerzzuständen bei MS noch erhebliche Defizite. Studien haben gezeigt, dass weniger als die Hälfte der Betroffenen eine adäquate Therapie erhalten. Ein Grund dafür ist u.a, dass Schmerz bei MS aufgrund vieler unterschiedlicher Mechanismen entstehen kann, so Prof. Giorgio Cruccu von der Abteilung für Neurology der Sapienza Universität Rom in einer kürzlich erschienen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift Journal of Neurology. Ein Schmerzmittel, das gegen eine Art von Schmerzen wie z. B. Entzündungsschmerzen hilft, ist dann bei einer Schmerzart mit einem anderen Entstehungsmechanismus, wie z. B die Migräne, unwirksam.Prof. Cruccu und Kollegen haben deshalb ein neues „mechanismenorientiertes“ Klassifikationssystem für Schmerzen bei MS entwickelt. Sie unterscheiden danach neun verschiedene Schmerzkategorien. Dazu gehören z. B. neuropathische Schmerzen wie Trigeminusneuralgien. Muskuloskeletale Schmerzen, Schmerzen aufgrund von Spasmen, sogenannte gemischte Schmerzformen, die mehrere Ursachen haben können sowie Schmerzen, die als Nebenwirkung von MS-Therapien auftreten.„Wir kennen keine andere Krankheit, bei der Schmerzen durch so viele unterschiedliche Mechanismen hervorgerufen werden können wie die Multiple Sklerose“, erläutert Prof. Cruccu bei der Vorstellung seines neuen Klassifikationssystems. „Die unbefriedigenden Ergebnisse bei der Behandlung von MS-assoziierten Schmerzen liegen auch daran, dass die Schmerzen nicht adäquat kategorisiert wurden“. Ein mechanismenorientiertes Vorgehen erlaube dagegen eine gezieltere Arzneimitteltherapie und ermöglich damit ein besseres Therapieergebnis.Quelle: Journal of Neurology, Online publiziert vor Druck am 4. Juli 2012